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              <text>Werth [Wert] und Ziel der deutsch-amerikanischen Geschichtsforschung&#13;
Vortrag gehalten von der Deutsch-Amerikanischen historischen Gesellschaft von Illinois am 23. Mai 1900. &#13;
Von Wilhelm Bocke.&#13;
Der amerikanische Revolutionskrieg ging mit dem Pariser Vertrage im September 1783 zu Ende. Kühne Männer, meistens aus dem Staate Virginien, waren im Laufe des Krieges in das noch wildfremde, nordwestlich vom Ohio-Fluß [Fluss] gelegene und von jenem Staate beanspruchte Gebiet, dass unter dem Namen Northwestern Territory bekannt war, vorgedrungen, hatten die Indianer zurück geworfen und den Grund zu blühenden Städten gelegt. Auf gewisse nördliche Theile [Teile] desselben wurden jedoch auch von New York, Connecticut und Massachusetts Ansprüche erhoben, welches zur Folge hatte, daß [dass] zur Vermeidung von Verwicklungen sämmtliche [sämtliche] vier Staaten, einer nach dem andern, ihr Hoheitsrecht an die eben begründete Bundesregierung abtraten. In 1787 erhielt dieses Gebiet eine Verfassung, die der berühmten Jefferson-Ordinance von 1784 nachgebildet war, und aus demselben entstanden im Laufe weniger Jahrzehnte die Staaten Ohio, Indiana, Illinois, Michigan und Wisconsin, die nunmehr zu den reichsten der Union gehören.&#13;
 Auf diesem Erdtheil [Erdteil] hat sich die weltgeschichtliche Regel am augenfälligsten befundet [befunden], dass die Entwicklung des Menschengeschlechts, ihrem Hauptgang nach, dem täglichen Lauf der Sonne folgt. Immer weiter gen Westen drangen die kühnen Pioniere vor, deren Mission es war, das wilde, jenseits der Allegheny-Gebirge gelegene Gebiet der menschlichen Kultur zu eröffnen und den Millionen, die ihnen folgten, friedliche Wohnstätten vorzubereiten. Zu dem mächtigen Heer, das jich [ich] dieser Kulturarbeit unterzog, haben die Deutschen gerade hier ein großes Kontingent gestellt, wenngleich die wegen der politischen Ohnmacht, in die das Vaterland verfallen war, nur die Reihen der Gemeinen füllten, und, wie Friedrich Rapp richtig sagt, eine Armee ohne Offiziere bildeten. Welchen Antheil [Anteil] die an der Kolonisation der großen hier in Frage der stehenden Gebiete gehabt, wie weit die auf den Charakter des hier noch im Werden begriffenen Volkes einzuwirken und ihm dem Stempel ihrer Eigenart aufzubürden vermocht haben, das festzustellen muß [muss] für jeden denkenden Deutschen, der seine Rasse liebt, stets besonderen Reiz haben. Das Volk der Niedersachsen, die Ritter des Deutschen Ordens und die Bürger der Hansa [Hanse] hatten vor Jahrhunderten mit Schwert und Pflug die die größte Colonisation [Kolonisation] vollführt, welche die Welt seit den Tagen der Römer erlebt hatte. Die Lande zwischen Elbe und Memel wurden besiedelt und weit hinauf gen Norden und Osten, in die skandinavischen Länder, wurde die Fackel deutscher Bildung getragen. Daneben bestätige sich die schöpferische Kraft des deutschen Erfindungsgeists auf das glänzendste. Alle Entdeckungen und Erfindungen, welche in der Geschichte der Menschheit Epoche machten, werden unserem Stamme zugeschrieben, und im Mittelalter waren es wenig oder keine, welche nicht hierher gerechnet wurden. Die Oelmalerei [Ölmalerei], das Schießpulver, die Buchdruckerkunst, die Uhren, die Glasmalerei, das Schleifen von Diamanten, die Windmühle, sowie andere Mühlen, das Walzwerk bei der Vermünzung, das Leienpapier, die Seidenweberei, die beste Art Scharlach zu färben, das Spinnrad und die Spinnadel, das Fernglas, die Abweichung der Magnetnabel, die Blasebälge, endlich die vorzügliche mathematischen und mechanischen Instrumente, werden für Erfindungen der Deutschen erklärt. Auch find einheimische sowohl als fremde Schriftsteller aus dem Mittelalter voll des Lobes über den blühenden Zustand der deutschen Städte, sowie über den Gewerbefleiß ihrer Bürger. Doch wie das deutsche Volk früher fast ausschließlich die schöpferische Quelle aller Erfindungen war, so war es auch später der Hort der höheren Forschung und errang der Menschheit die Freiheit und Unabhängigkeit des Geistes, wodurch erst die Grundlage wahrer Wissenschaft gelegt wurde.&#13;
Es sind nun zwar der Jahrhunderte tiefer politischer Erniedrigung über das alte Vaterland hinweggezogen [hinweg gezogen], doch hat es sich, auf den Schlachtfeldern in Böhmen und Frankreich verjüngt und geläutert, auf’s Neue zu hohem Glanz erhoben, und sein Volk bestätigt wieder seine unverwüstliche Lebenskraft in Stolzem, aber friedliche Ringen mit den Tüchtigsten der Erde. Haben sich seine Söhne, die in die Fremde zogen, ihren Väter würdig gezeigt und haben sich die guten Eigenschaften ihres Stammes auch dort bewährt? Unser eigenes Selbstgefühl gebietet, daß [dass] wir uns hierauf Antwort gegeben.&#13;
Vor hundert Jahren war das Gebiet dieses Staates der menschlichen Kultur kaum erschlossen. Zwei Militärposten, Cahokia und Kaskaskia, befanden sich an seiner südöstlichen Grenze, und nur unter deren Schutz war es den ersten Ansiedlern ermöglicht [möglich], in dem von wilden Indianerhorden heimgesuchten Land festen Fuß zu fassen. Heute wohnen in diesem Staat über vier Millionen Menschen, von denen fast die Hälfte unsere eigene Stadt füllt. In einem Zeitraum von kaum hundert Jahren sind auf der weiten Prärien dieses Staates hunderte von blühenden Gemeinschaften entstanden, seine Felder tragen die reichsten Aehren [Ähren], dem Schoß der Erde werden werthvolle [wertvolle] Metalle entnommen, an den Flüssen wie an den künstlichen angelegten Verkehrswegen erheben sich unzählige Industrien der vielfältigsten Art, sowie viele andere Riesenwerke des menschlichen Fleißes, Handel und Wandel stehen auf einer hohen Stufe der Entwickelung [Entwicklung], unsere Bürger erfreuen sich im Allgemeinen eines befriedigend Wohlstandes, viele von ihnen haben sich ausgezeichnet auf allen Gebieten menschliches Wirkens, und während eine nicht geringe Anzahl in unserer Bundesregierung zu den höchsten Ehren gelangte, ward es verschiedenen von ihnen beschieden, zu einer Zeit, in der alle Segnungen unserer freiheitlichen Einrichtung auf dem Spiele standen, die Geschichte unserer Landes auf ihren Schultern zu tragen und durch ihre überlegenen Geist, sowie durch hohen Sinnesadel, nicht allein wirthschaftliche [wirtschaftliche] Verhältnisse von der äußersten Tragweite, sondern auch die aus ihnen hervorgegangenen politischen und sittlichen Anschauungen unserer Volkes in bessere Bahnen zu leiten.&#13;
 Es darf angenommen werde, daß [dass] 30 Prozent der Bevölkerung dieses Staates deutscher Abstammung sind. Haben sie an den großartigen Entwickelungen [Entwicklungen], die hier stattgefunden haben, einen annähern gleichen Antheil [Anteil] genommen? Haben sie in Kirche und Schule, im Ackerbau, im Handel und Gewerbe, in den Industrien, den Künsten und Wissenschaften neben ihren Mitbürger gern anderer Abstammungen gleich segenreich gewirkt? Sind sie ihrem Adoptiv- Vaterlande treue Bürger gewesen, haben sie ihre öffentlichen Pflichten gebührend gewürdigt und in den Stunden der Gefahr, in Krieg und Frieden, unserer Bundesregierung mit Liebe und Hingabe zur Seite gestanden? Hat die deutsche Einwanderung die Kraft unseres amerikanischen Volkes erhöht oder vermindert? Hat die deutsche Presse des Landes die hohe Aufgabe, ihren Landsleuten als Lehrer und Wegweiser zu dienen, in allen Fällen richtig erfaßt [erfasst]; hat sie den geistigen und sittlichen Fortschritt ihrer Leser kräftig gefördert und hat sie im Allgemeinen in den großen politischen Parteikämpfen des Landes stets die richtige Stellung behauptet? Alles dies richtig zu prüfen, und darüber ohne Scheu, streng der Wahrheit folgend, zu berichten, soll die Aufgabe dieser Gesellschaft sein, denn nach dem treffenden Ausspruch eines deutschen Geschichtsschreibers „dürfen wir nicht was das Herz empfindet, die Phantasie so gerne gestaltet, in das Heiligthum [Heiligtum] der Geschichte einführen, sondern nur dem die Pforte zum Eingang öffnen, was Ueberlegung [Überlegung] und reife Beurtheilung [Beurteilung] als Wahrheit aufgefunden und erkannt haben.“ Im Allgemeinen dürfen wir jedoch von vorne herein kühn behaupten, daß [dass] sich die deutsche Kultur, durch ihren unschätzbaren Werth [Wert], trotz vieler feindlichen [feindlicher] Gegenströmungen, langsam und sicher überall Bahn bricht. Verhältnißmäßig [Verhältnismäßig] gering an Zahl und kaum mit der Durchschnittsfähigkeit der Bewohner der alten Heimath [Heimat] ausgerüstet, sind die eingewanderten Deutsche, welche meistens ohne Kenntnis der Sprache und der amerikanischen Verhältnisse hier landen, vielfach mit Ueberwindung [Überwindung] der widrigsten Umständen doch zu einem volkswirthschaftlich [volkswirtschaftlich] und geistig maßgebenden Einflusse gelangt. Die deutschen Einwanderer bestehen der Mehrzahl nach aus Leuten, die einem festen Beruf haben und aus ihrer Heimath [Heimat] Fähigkeiten und Talente mitbringen, deren Verwerthung [Verwertung] dem allgemeinen Erwerbsleben des Landes sofort zu Gute kommt. Wir finden daher unsere Landsleute auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit [Tätigkeit], auf denen nicht allein kräftiger Arm, sondern auch praktische und theoretische Kenntnisse erfordert werden. So hat sich der Deutsche nicht allein im Handwerk, sondern auch in den höchsten Leistungen der Baukunst und des Ingenieurfaches von jeher rühmlichst ausgezeichnet, während er mehr als alle Anderen das Kunstgewerb: die Lithographie, die Graveurkunst, das Goldarbeiter- und Juwelier-Handwerk, soweit sich dasselbe über die Fabrikarbeit erhebt, die Holz- und Steinbildhauerkunst und ähnliche nützliche und schöne Beschäftigungen pflegt. In gleicher Weise steht der Deutsche in vielen Fabrikzweigen vorne an, wie er auch als Klein- und Großhändler mi den Besten wetteifert. Doch der deutsche Bauer hat unserem Lande unstreitig den größten materiellen Segen gebracht. Sämmtliche [Sämtliche] weltliche Staaten der Union, des alten Pennsylvaniens gar nicht zu gedenke, sind unter den fleißigen Händen deutscher Bauer blühende Ackerbaustaaten geworden, und wer in tiefem Staate, die sonstwo im Lande, die besten Farmen sehen will, der muß [muss] zu den Deutschen gehen. Wo immer die deutschen Bauern sich ansiedeln, da beugt sich der jungfräulich stolze Boden dem emsigen Fleiße und der deutschen Ackerbaukunst und spendet der Mühe reichen Lohn. Die Einwanderer keiner anderen Nation bringen so große Fähigkeiten für den Ackerbau mit und tragen dadurch soviel zum Wohlstand des Landes bei wie der deutsche Bauer. Nur die Holländer und Skandinavier, beide Waffenbrüder des Deutschen, können sich hier auf einen edlen Wettstreit mit ihm einlassen. &#13;
Wir wollen aber auch nicht verkennen, daß [dass] die Deutschen nicht allein als Handwerker, Techniker, Gewerbetreibe und Bauern zu den Besten unserer im Entstehen begriffenen amerikanischen Nation gerechnet zu werden verdienen, sondern daß [dass] das größte Verdienst der heutigen Einwanderung darin besteht, daß [dass] der deutsche Geist und das deutsche Gemüth [Gemüt] im amerikanischen Charakter tiefe Wurzeln geschlagen haben. Unter der deutschen Einwanderung des letzten Jahrhunderts hat es nicht an Männern gefehlt, deren hohe Bildung sie in Stand setzte, durch Wort und Schrift auf die Vorzüge deutscher Wissenschaft, die Schönheiten deutscher Kunst und den Reichthum [Reichtum] der deutschen Literatur hinzuweisen. Auch haben auf der anderen Seite viele strebsame junge Männer unter den Amerikanern, nachdem sie ihre Studien auf hiesigen „Colleges“ beendet, eine höhere wissenschaftliche Bildung als letztere ihnen gewährten, unter den besten Lehrern deutscher Universitäten gefunden, und auf allen höheren Lehranstalten im Lande wird der deutschen Wissenschaft gebührend gehuldigt. Doch in ihrem veredelnden Einfluß [Einfluss] auf unser amerikanisches Volk steht nichts so hoch als das höchste, das die Erde kennt, die deutsche Musik. Nirgend zeigt sich der sittliche Werth [Wert] der deutschen Einwanderung, welche auch dieses unschätzbare Gut auf amerikanischen Boden heimisch gemacht hat, so groß als hier. Unbewußt [Unbewusst] nimmt der Amerikaner das deutsche Gemüth [Gemüt], welches sich durch seine Musik so herrlich offenbart, in sich auf und unter ihrem göttlichen Einfluß [Einfluss] regen sich die edelsten Triebe zu lebendigem Schaffensdrang. „ Jede gut ausgeführte Symphonie Bach’s, Beethoven’s oder Mozart’s, und der großen Nachfolger derselben,“ sagt Andrew D. White, „ist ein Gewinn für die amerikanische Civilisation [Zivilisation],“ während unser großer Landsmann Stallo diesem Gedanken in folgenden treffenden Worten Ausdruck giebt [gibt]: „ Welche Sprache unsere Kinder in den kommenden Jahrhunderten auch reden möge, sie und die Nachkommen der Anglo-Amerikaner werde die Weisen unserer Väter singen; das Licht der deutschen Wissenschaft wird ihnen aus den Augen strahlen und die Gluth [Glut] des deutschen Gemüths [Gemüts] wird ihre Wangen röthen [röten].“&#13;
Blicken wir daher auf das Wirken unserer Landsleute, so müssen wir gerade hier im Mittelpunkt der großen Staaten des Westens, wo sich Thatendrang [Tatendrang] und Thatenlust [Tatenlust] auf allen Gebieten menschlichen Schaffens auf das Kraftvollste offenbaren, einen belebenden Sporn fühlen, ihre Geschichte zu schreiben. Da sie nun einen erheblichen Bestandtheil [Bestandteil] des amerikanischen Volkwesens bilden und in alle wichtigen öffentliche Ereignisse kräftig mit eingegriffen haben, so ist es unvermeidlich, daß [dass] die innere Entwickelung [Entwicklung] des amerikanischen Volkes, so weit dasselbe diesen Staat bewohnt und von hier aus auf das Land im Allgemeinen eingewirkt hat, gezeigt wird, und daß [dass] alles Große, was auf irgend einem Gebiet das Volk bewegt hat, sofern deutsche Männer dieses States den geringsten Antheil [Anteil] daran hatten, in den Vordergrund der Erzählung gestellt wird. Nur dadurch kann ein einheitliches Geschichtswerk geschaffen und alles Episodenhafte vermieden werden. Auch ist nicht zu übersehen, daß [dass] sich von dem gegenwärtigen Augenblicke bis zu den ersten Anfängen amerikanischer Kultur eine lange Kette von Begebenheiten hinaufzieht, die wie Ursache und Wirkung ineinander greifen, und deshalb von einer ausführlichen Schilderung des Wirkens eines großen Bestandtheils [Bestandteils] unseres amerikanischen Volkes, der unseren Staat umfaßt [umfasst], nicht zu trennen ist. Zur Erfüllung dieser schwierigen, und durch unermüdlichen Fleiß und reges Forschen zu bewältigenden Aufgabe ist uns daher auch der Beistand begabter, mit den hiesigen Universitäten verbundener Darsteller bereits zugesichert worden.&#13;
Organisationen wie die unsere bestehen seit vielen Jahren in den verschiedensten Theilen [Teilen] des Landes, nicht allein unter den eingeborenen Amerikanern, sondern auch unter Irländern und anderen; auch verfolgen die Deutschen in einigen anderen Städten der Union ähnliche Bestrebungen. In der großen Stadt Chicago wollen wir uns daher nicht für minderwerthiger [minderwertiger] halten, als unsere Mitbürger anderer Abstammung, die sich seit Jahren systematisch in festgegliederten Bereichen mit Erforschung der Leistungen ihrer Stammesangehörigen bei der culturellen [kulturellen] Entwickelung [Entwicklung] des amerikanischen Volkes befassen, sondern wir wollen ebenfalls sorgen, daß [dass] unser eigenes Volkswesen durch geeignete Darstellung nicht allein gleich Anerkennung bei der Mitwelt finden [findet], sondern daß [dass] auch bei unseren Nachkommen ein berechtigter Stolz in ihre Vorfahren, sowie ein edles Streben für die Fortpflanzung der besten Eigenschaften des deutschen Volkscharakters erweckt werden möge. Jeder gebildete, mit richtigem Selbstgefühl ausgestattete Mensch blickt stets mit Stolz auf seine eigene Rasse; er vertieft sich gern in ihre Geschichte, fühlt sich gehoben und begeistert durch die Thaten [Taten] seiner Väter und befleißigt sich der Tugenden, durch die sie sich auszeichneten. Derjenige, der sein eigenes Volksthum [Volkstum] verleugnet, mißachtet [missachtet] sich selbst, und ein solcher Mensch verdient auch nicht die Achtung Anderer. Derjenige aber, der sich und seine Rasse achtet und in dieses Land kommt, um in dem amerikanischen Volksthum [Volkstum] aufzugehen, der weiß auch, daß [dass] er seine und seines Stammes Ehre am Besten wahren kann, indem er dem Lande seiner Wahl ein treuer und ergebener Bürger ist, und in der Erfüllung seiner Pflichten auf dem von ihm gewählten Gebiet menschlicher Thätigkeit [Tätigkeit] mit den Besten um sicher her zu wetteifern hat; denn nur dadurch kann er sich der unschätzbaren Wohlthaten [Wohltaten] des amerikanischen Bürgerrechts würdig erwiesen.&#13;
Daß [Dass] dem Deutschthum [Deutschtum] in diesen Lande dies stets vor Augen gestellt werden möge, sei die Aufgabe dieses Vereins. Möge daher dem Unternehmen, der Folgewelt getreu zu überliefern, was wir von der Vorwelt erhalten, die freudige Unterstützung unserer deutschen Landsleute zu theil [teil] werden, denn „der Mensch verwandelt sich und flieht von der Bühne; seine Meinungen fliehen und verwandeln sich mit ihm; die Geschichte allein bleibt unausgesetzt auf dem Schauplatz eine unsterbliche Bürgerin aller Naturen und Zeiten.“&#13;
Die Deutsch-Amerikanische Historische Gesellschaft von Illinois&#13;
Die Deutsch-Amerikanische Historische Gesellschaft von Illinois ist in’s Leben gerufen worden, um zunächst für eine Geschichte des deutschen Bevölkerungs-Elementes in Illinois während des neunzehnten Jahrhunderts das Material zu sammeln, und wenn die Zeit kommt, in geeigneter Weise zu veröffentlichen. Und zwar damit der große Antheil [Anteil], welchen die Deutschen an der Besiedelung [Besiedlung], der fortschreitenden Entwickelung [Entwicklung] und der großen heutigen Blüthe [Blüte] des Staates auf allen Gebieten menschlicher Thätigkeit [Tätigkeit] gehabt haben und haben, in wissenschaftlicher Weise über jeden historischen Zweifel hinaus so festgelegt werde, daß [dass] weder nativistische Beschränktheit noch Unwissenheit daran zu rütteln oder davon wegzunehmen vermag.&#13;
Wie nothwenig [notwendig] das ist, - wie sehr die Deutschen es ihrer Selbstachtung schuldig sind, daß [dass] ihre Leistungen in diesem Staate vor der Vergessenheit bewahrt werden, beweist am Schlagendsten das Beispiel der Deutschen, welche einst Theile [Teile] der Staaten New York und Virginien besiedelt haben, und deren Andenken bereits der Vergessenheit anheimgefallen war, welcher es durch neuere aufopferende [aufopfernde] Forschungen nur nothdürftig [notdürftig] und in schwachen Umrissen entrissen worden ist.&#13;
Sie beabsichtig ferner, so weit es nur irgend möglich, auch den Antheil [Anteil] an der Besiedelung [Besiedlung] des Staates Illinois festzustellen – und er ist ein sehr großer - , welcher auf die Nachkommen derjenigen Deutschen entfällt, welche im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert sich in den Saaten New York, Pennsylvanien, Maryland und Virginien angesiedelt haben, und deren Same im fünften und sechsten Gliede heute einen numerisch sehr starken Bestandtheil [Bestandtei] der Bevölkerung unseres Staates bildet.&#13;
Der Weg, auf welchem die Gesellschaft das nöthige [nötige] Geschichts-Material zu sammeln gedenkt, ist der, in allen Theilen [Teilen] des Staates Mitarbeiter zu gewinnen, welche die Forschung für ihre nähere und weitere Umgebung übernehmen.&#13;
Es gilt festzustellen: wann sich in dem betreffenden Ort, Town, County zuerst Deutsche ansiedelten; aus welcher Gegend des Vaterlandes sie kamen und welche Ursache sie herüberführte; welche den erste Grundbesitz erwarben; wie seitdem allmählich die deutsche Bevölkerung gestiegen ist oder abgenommen hat; welches die vornehmsten Ursachen der Zunahme oder Abnahme waren; wie groß der numerische Bestand der deutschen und der deutsche Grundbesitz heute ist; in welchen Berufen die Deutschen vornehmlich thätig [tätig] sind; welchen Antheil [Anteil] sie an dem Aufbau ihrer betreffenden Lokalität, sei es durch Einführung besserer Methoden der Landwirthschaft [Landwirtschaft] oder durch Einführung von Industrien, gehabt: welchen Einfluß [Einfluss] die Gründung von Kirchengemeinden auf das Wachsthum [Wachstum] und die Hebung des deutschen Elementes geübt; desgleichen die Turnerei, das Gesangvereins-, das Logenwesen und alle Bestrebungen auf geistigem Gebiete, welche sich hier und da, erfolgreich oder nicht, geltend gemacht haben; den Antheil [Anteil], den die Deutschen zu den verschiedenen Zeiten an öffentlichen Angelegenheiten (örtlichen, staatlichen und nationalen) und an den verschiedenen Kriegen genommen; und überhaupt Alles, was als ein Baustein zu dem heutigen großartigen Gebäude betrachtet werden kann.&#13;
Es ist klar, daß [dass], wenn eine so umfangreiche Forschung von einem Einzelnen ausgeführt werden sollte, sie viele Jahre in Anspruch nehmen würde, daß [dass] sie aber in verhältnißmäßig [verhältnismäßig] kurzer Zeit bewältig werden kann, wen sich Viele darin theilen [teilen]. Es liegt ferner die Gefahr vor, daß [dass] von einem Einzelnen vorgenommene Forschungen bei aller Vorurtheilsfreiheit [Vorurteilsfreiheit] und Unparteilichkeit leicht eine einseitige Richtung nehmen könnten; daß [dass] er Manches übersehen und ihm Manches entgehen könnte, was doch für das Gesammtbild [Gesamtbild] von großer Wichtigkeit wäre. Und es ist nicht zum Wenigsten aus diesem Grunde, daß [dass] die Gesellschaft auf die Betheiligung [Beteiligung] und Unterstützung aller Derer im ganzen Staate rechnet, welche das Wünschenswerthe [Wünschenwerte] ihres Strebens anerkennen und demselben Theilnahme [Teilnahme] [Anteilnahme] entgegenbringen. &#13;
Nun giebt [gibt] es in fast jedem Ort oder Town, wo Deutsche wohnen, deutsche Geistliche, Lehrer, Aerzte [Ärzte], Apotheker und sonstige federgewandte Männer, welche nicht nur vermöge ihre Lebenstellung und Intelligenz ganz besonders berufen sind, die Gesellschaft bei ihren Forschungen zu unterstützen, sondern auch diejenigen besser situirten [situierten] Deutschen kennen und zu beeinflussen wissen, welche für diesen hohen Zweck pekuniär zu interessiren [interessieren] wären. Wir haben im Staate über tausend deutsche Kirchengemeinden. Wenn sich nur jeder Geistliche und jeder Lehrer als Forscher in den Dienst dieser Sache stelle wollte, so wurde sie allein schon im Stande sein, ein geschichtliches Material herbeizuschaffen, das nur in wenigen Punkten der Ergänzung bedürfen würde. Aber außer ihnen giebt [gibt] es, wie gesagt, so viele Andere, die gleich berufen sind. Wenn dann noch ein jeder dieser freiwilligen Mitarbeiter wenigsten ein zahlendes Mitglied weren wollte – Geld ist leider zu Bestreitung der Drucksachen und des Porto unentbehrlich -, so wäre der Gesellschaft auch finanziell geholfen, und sie könnte alle ihre Ziele erreichen und ein Werk schaffen, welches die Kritik in jeder Weise aushalten und dem Deutschthum [Deutschtum] von Illinois zur bleibenden Ehre gereichen würde.&#13;
Es sei hier bemerkt, daß [dass] das beträchtliche Kapital, welches zur Herausgabe des druckfertigen Geschichtswerks nöthig [nötig] sein wird, von verläßlicher [verlässlicher] Seite versprochen worden ist. Aber die Männer, welche dies Opfer bringen wollen, verlangen, daß [dass] erst etwas Tüchtiges, der Drucklegung Werthes [wertes] geschaffen werde, und dazu braucht die Gesellschaft die Mitarbeit und die pekuniäre Hülfe [Hilfe] des gesammten [gesamten] Deutschthums [Deutschtums] des Staates.&#13;
Außerdem – die Gesellschaft ist sich sehr wohl bewußt [bewusst], daß [dass] die Akten über die Geschichte des Deutschthums [Deutschtums] von Illinois im ganzen neuzehnten Jahrhundert noch lange nicht geschlossen sind, und daß [dass] sich eine Geschichte nur über de eigentliche, bis Ender der fünfziger Jahre reichende Pionierzeit, und vielleicht über die in ihren hauptsächlichen, augenfälligen Einwirkungen mit dem Schluß [Schluss] der siebziger Jahre zu Ende gehende Zeit der Achtundvierziger schreiben läßt [lässt]. Was daraus folgt, das historisch zusammenzu [zusammen zu] fassen, wird Sache Derer sein, die nach uns kommen. Aber um sie in den Stand zu setzen, es mit voller Kenntniß [Kenntnis] der Thatsachen [Tatsachen] zu thun [tun], und dem Deutschthum [Deutschtum] von heute in seinem offenen und stillen Wirken in dem großen Gemeinwesen und inmitten so vieler sicher hier zusammendrängender, mit einander ringender Völker-Elemente gerecht zu werden, betrachtet sie es als eine ihrer Hauptaufgaben, alles darauf bezügliche geschichtliche Material zu sammeln. Und des weiteren [Weiteren]: dies Material in einem vor Zerstörung sicheren und der Forschung zugänglichen Archive niederzulegen und für dessen beständige Aufrechterhaltung und Vervollständigung zu sorgen, so lange von einem deutschen Bevölkerung-Element in Illinois und im Nordwesten die Rede sein kann. &#13;
Wohl hoffen wir, der Tag werde nie erscheinen, wo das Deutschthum [Deutschtum] in Illinois und dem Nordwesten zu den gewesenen Dingen gehört. Aber wir können nicht in die Zukunft schauen. Und einerlei, ob dieser Tag kommt oder nicht, und ob das Archiv dazu dienen wird, späteren deutschen Einwanderern zu zeigen, was ihre Vorgänger hier gethan [getan] und geleistet, und sie zur Nachahmung anzuspornen, oder dazu, unter den Enkeln und Urenkeln der heutigen Deutschen das Andenken an ihre würdigen Vorfahren wachzuerhalten [wach zu erhalten] und geschichtlich unanfechtbares Zeugniß [Zeugnis] abzulegen von Denen, die hier den Grund zu all‘ der Größe der Zukunft fest gemauert haben, - in jedem Fall wird es seinen Zweck erfüllen.&#13;
Ein solches Archiv anzulegen, es in übersittlicher, der Forschung entgegenkommender Ordnung zu halten, es in einer der Größe und des Wohlstandes des Deutschthums [Deutschtums] würdigen Weise unterzubringen und auszustatten, - das geht über die Kräfte Einzelner oder auch Mehrerer. Dazu erscheint ein Mitthun [Mittun] des Deutschthums [Deutschtums] des ganzen Staates nothwendig [notwendig]. Und je nachdem dieses Mitthun [Mittun] gewährt oder vorenthalten wird, wird die Gesellschaft auch diesen zweiten, aber sehr wesentlichen Theil [Teil] ihre Aufgabe in mehr oder minder würdiger Weise zu erfüllen im Stande sein.&#13;
Aus dem Vorhergehenden geht hoffentlich zur Genüge hervor, daß [dass] die Deutsch-Amerikanische Historische Gesellschaft von Illinois keinerlei einseitige Zwecke verfolgt, und nicht im Interesse irgend einer Partei oder Clique, oder Richtung oder Lokalität in’s Leben gerufen ist, Sie verfolgt keine politischen, religiösen oder gar persönlichen Ziele, sondern ist allein von der hohen Aufgabe beseelt, dem Deutschthum [Deutschtum] von Illinois und seiner Kulturarbeit am Ende des neunzehnten Jahrhunderts ein den Wechsel der Zeiten überdauerndes Denkmal zu setzen.&#13;
Die Gründung und Incorporirung [Inkorporierung] der Deutsch-Amerikanischen Historischen Gesellschaft von Illinois wurde am 2. März 1900 beschlossen, ihre eigentliche Arbeit begann mit der am 6. April erfolgten Annahme der Nebengesetze und Wahl der Beamten. Die ersten Monate waren nothwendiger [notwendiger] Weise der Beschaffung der zu Propaganda nöthigen [nötigen] Drucksachen und dieser selbst gewidmet. Sie wurde durch die heiße Jahreszeit und die Wahl unterbrochen. Seit der letzteren ist die Gesellscahft in erhöhte Thätigkeit [Tätigkeit] getreten. Als theilweises [teilweises] Ergebniß [Ergebnis] derselben bieten sich das vorliegende erste Heft der „Deutsch-Amerikanischen Geschichtsblätter“ und die darin enthaltenen Arbeiten da. &#13;
Chicago, im Dezember 1900.&#13;
Emil Mannhardt,&#13;
Sekretär.&#13;
&#13;
&#13;
Vergangenheit verstehen, doch nicht zurück ersehnen,&#13;
Die Gegenwart ersehn, doch nicht vollkommen wähnen,&#13;
Die Zukunft klug erspähn, und so sie vorbereiten –&#13;
So mag sich wohl ergehn [ergehen] dein Geist in allen Zeiten.&#13;
&#13;
Laßt [Lasst] uns loben die berühmten Männer und unsere Vorfahren in ihren Geschlechtern.&#13;
Eccl. l. 44, 1-2.&#13;
Die Erkenntniß [Erkenntnis] der weltgeschichtlichen Zusammenhänge kann nur aus dem Werdegang aller Völker geschöpft werden.&#13;
Helmolt&#13;
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              <text>Transkript:&#13;
Deutsch-Amerikanische Geschichtsblätter_Die Pioniere von McHenry County_Illinois&#13;
 &#13;
Die Pioniere von McHenry County&#13;
Nach Aufzeichnungen von Friedrich Bertschy, zusammengestellt von Frau Lena B. Seifer.&#13;
I.&#13;
Die ersten deutschen Ansiedler von McHenry County kamen aus dem Unter-Elsaß [Elsass]. Dieses gehörte wohl beinahe zweihundert Jahre zu Frankreich, die Einwohner blieben aber in ihrem Wesen, ihren Sitten, sowie ihrer Sprache ganz deutsch. Die meisten Ansiedler kamen aus Drachenbronn, einem kleinen Dorfe am Fuße der Vogesen an der Bergstraße zwischen Weißenburg und Wörth gelegen, und von etwa sechzig Familien bewohnt, schlichten, ehrlichen Bauern, die mit unermüdlichem Fleiß das magere Bergland bebauten. Doch der Ertrag blieb immer kärglich, und so wandten sich die Blicke nach dem neuen Erdtheil [Erdteil]. Schon im Jahre 1833 zogen die Familien Jacob Wiedrich, Michael Werner und Christian Meder fort nach Amerika und siedelten sich erst in New York an. Ihrem Rufe folgend wanderte Michael Kochersperger im Jahre 1835 nach Amerika aus; kehrte aber im Jahre 1836 wieder zurück, um seinen Vater Adam Kochersperger, seinen Bruder und drei Schwestern zu holen. Ihnen schlossen sich noch fünf junge Männer aus Drachenbronn an, nämlich: die Brüder Michael und Peter Herdklotz, Jacob Eckert, Peter Sondericker und Heinrich Kuhn. In zwei gedeckten Wagen, mit Pferden bespannt, und mit den nöthigen [nötigen] Lebensmitteln versehen, unternahmen sie die beschwerliche Reise nach dem französischen Seehafen Havre, wo sie nach siebzehn Tagen ankamen. Bald darauf schifften sie sich auf einem französischen Postschiffe ein. In Havre hatten sie sich mit Schinken versehen, dazu gab’s Kartoffeln, Zwieback und Kaffee. Das Schiff hatte 150 Passagiere, 14 Matrosen nebst Offizieren und zwei schwarze Köche, welch letztere ein großes Wunder für unsere Elsässer waren.&#13;
Gleich bei der Einschiffung erlebten die Zwischendecks-Passagiere ein Reise- Abenteuer, das beinahe einen tragischen Ausgang gehabt hätte. Eine junge Frau aus Lothringen, die sich auf der Reise zu ihrem schon in Amerika weilenden Gatten befand, ließ sich, um das Reisegeld zu sparen, in eine Kiste schließen und als Gepäck auf’s Schiff tragen. Es gelang auch; die Kiste wurde mit den übrigen ins Zwischendeck spediert, aber in dem Durcheinander des Einschiffens wurde sie von ihren Freunden vergessen, und als man endlich später an sie dachte, war die Aermste [Ärmste] bewusstlos und halb tot. Es gelang jedoch nach vieler Mühe, sie wieder zum Bewusstsein zu bringen und nach etlichen Tagen war sie wieder munter. Der Betrug wurde jedoch entdeckt, als der Kapitän nach etlichen Tagen die Passagiere nochmals zählen ließ; in Anbetracht der großen Gefahr aber, in der die Frau geschwebt, verzieh er das Vergehen und ließ sie als Näherin ihre Ueberfahrt [Überfahrt] verdienen. Nach 37tägiger Seefahrt landeten die Wanderer in New York, von wo sich die Familie Kochersperger sogleich nach Rome, N. Y., zu ihren Freunden begab, während die fünf jungen Männer sich sogleich nach Arbeit umsahen, denn zum Weitergehen reichte ihr Geld nicht. Vorläufig zahlten sie einen Dollar Kopfgeld die Woche, dann fand Peter Sondericker Arbeit in einer Brauerei, und Peter Herdklotz bei einem Milchmann zu drei Dollars den Monat. Er gab sein letztes Geldstück einem der Freunde, denn Heinrich Kuhn zog bis nach Utica, ehe er Arbeit in  seinem  Handwerk  als  Schneider  fand,  während  Jacob  Eckert  und  Michael&#13;
 &#13;
Herdklotz bis ins Innere des Staates zogen, ehe sie Arbeit bei Farmern fanden zu sechs Dollars den Monat.&#13;
Im Mai des Jahres 1838 kam Kuhn nach New York zurück und erzählte den Freunden von dem fernen Westen, wo das Land umsonst zu haben sei; zur selben Zeit kam Jacob Eckert, Vater, dem Rufe seines Sohnes folgend, mit seiner Frau und fünfzehnjährigem Sohn Heinrich in New York an. Hausgeräth [Hausgerät] brachten sie nicht mit, jedoch etliche Kisten voll Betten, Leinen und Kleider; bald nach ihrer Ankunft schifften sie sich mit Kuhn und Herdklotz ein und fuhren den Hudson hinauf nach Albany. Sondericker blieb noch in New York, wo er lohnende Arbeit gefunden hatte. Die Fahrt nach Albany dauerte drei Tage; bei ihrer Ankunft daselbst versuchte ein Agent der neu erbauten Erie-Bahn sie zu zwingen, die Bahn zu benutzen, indem er sich ihres Gepäcks bemächtigte. Kuhn wusste jedoch, dass die Bahn nur siebzehn Meilen weit fertig war und nur 14 Meilen die Stunde fuhr und es also nutzlose Mühe und Kosten beim Ein- und Ausladen verursachen würde; ihr Gepäck wurde ihnen aber erst ausgeliefert, als sie einem höheren Beamten der Bahn ihr Leid klagten. Es war dies eine der vielen Arten, „grüne“ Einwanderer zu rupfen.&#13;
Nun schifften sich die Wanderer auf einem Boot des Eriecanals ein. Die Fahrt hatte wenig Angenehmes, das Wetter war heiß und das Boot gedrängt voll von Passagieren. Nach drei Tagen landeten sie in Rome, N. Y., wo sie von Jacob Eckert und Michael Herdklotz erwartet wurden, und Alle freuten sich des Wiedersehens. Bei den hier ansässigen Elsässern wurde nun Quartier gemacht; die Gegend war wohl schön, aber das Land schon zu theuer [teuer]; also wurde beschlossen, weiter zu gehn [gehen] und nach zwei Wochen zogen sie wieder den Canal [Kanal] hinauf nach Buffalo; diesmal auf einem Frachtboot mit wenig Passagieren, das vom Eigenthümer [Eigentümer] selbst bewohnt war. Die Fahrt war zwar langsam, aber lustig; die jungen Drachenbronner waren gute Sänger, und die Lieder, die sie im Heimathsdorfe [Heimatsdorfe] gelernt hatten, klangen nun, bald lustig bald wehmüthig [wehmütig] vom Deck des Canalbootes [Kanalbootes] und entzückten die Mitreisenden. Von den Frauen an Bord wurde ihnen mancher Leckerbissen gebracht mit der Bitte um ein Lied.&#13;
In Buffalo angekommen schifften sie sich abermals ein; diesmal auf einen Dampfer des Eriesees; der Kapitän machte eine Wettfahrt mit einem anderen Dampfer; es galt hundert Dollars, wer zuerst in Detroit ankommen werde. Man fuhr, dass der Schaum hoch aufspritzte und das Schiff in allen Fugen zitterte und die Passagiere auf ein feuchtes Grab gefasst waren; als einige protestierten, sagte ihnen der Kapitän, dass er allein die Verantwortung zu tragen hätte. Er gewann auch die Wette, weil die Räder des anderen Dampfers zersplitterten, so daß [dass] er dessen Passagiere auf sein Schiff nehmen musste. Nun gings den Huronsee hinauf, an dem oberen Ufer wurde Halt gemacht an einer Stätte, wo große Haufen Holz aufgestapelt waren, welches für die Schiffsfeuerung verwendet wurde; ein Trupp Indianer stand dabei, denen man allerlei Eßwaaren [Esswaren] zuwarf; die rothen [roten] Herren warfen aber alles verächtlich fort. Man fuhr den Michigansee hinunter und landete am 11. Juli in Chicago. Bei der Landung trafen die Elsässer einen Landsmann, der ein Gasthaus hatte, Herr [Herrn] Willemann; dieser bewog sie, mit ihm zu gehen. Peter Herdklotz, der 18 Jahre alt war, trat sogleich bei Willemann in Dienst, den Lohn erhielt er in Materialwaaren [Materialwaren]. Zu seinen vielen Pflichten gehörte es&#13;
 &#13;
auch, den täglichen Wasserbedarf aus dem Michigansee zu holen; dazu lud er drei Fässer auf einen Wagen, spannte zwei Ochsen davor und fuhr an’s Ufer des Sees, wo er mit Eimern die Fässer füllte; dabei kam es auch vor, dass bei Sturm Fuhrmann und Gefährt von Sturzwellen beinahe fortgespült wurden.&#13;
Michael Herdklotz und Jacob Eckert gingen Land suchen. Zuerst fuhren sie mit Willemann südlich bis Galesburg, Ill., da war jedoch alles schon zu theuer [teuer]. Bei der Rückkehr trafen sie einen Deutschen von Geneva Lake, Wis., der pries jene Gegend, und als er heimkehrte, gingen sie mit, und zwar zu Fuß die ganzen fünfundsiebzig Meilen von Chicago nach dem heute weit berühmten Sommeraufenthalt. Aber die waldgekrönten Berge dort entzückten die beiden Landsucher nicht, sie wandten sich wieder zurück und suchten eine Stelle, die sie sich beim Hinaufgehen gemerkt hatten. So kamen sie in den südlichen Theil [Teil] des jetzigen Township Greenwood, in McHenry Co., Ill., wo welliges Prärieland an prächtigen Eichenwald grenzte. Hier sicherten sie sich eine halbe Section  (320 Acres) Prärieland für 50 Doll. und eine Viertel-Section Waldland (160 Acres) für 25 Dollars.&#13;
Die Gegend wurde beherrscht von sogenannten „Boomers“, Männern, die das von der Regierung vermessene Land den Ansiedlern überwiesen und ihnen dafür so viel Geld abforderten, als diese eben besaßen; - rauhe [raue] Gesellen, tollkühne Reiter, welche die im Gürtel steckenden Pistolen meisterhaft zu gebrauchen wußten [wussten]; sie hielten Ordnung und beschützten die Ansiedler gegen allerlei Landräuber.&#13;
Weit zerstreut standen schon einige Blockhütten, die von Schotten oder Virginiern bewohnt waren, nur wenige waren feste Ansiedler, die meisten Wandervögel, die nur so lange blieben, bis sie ihr billig erworbenes Land mit Profit verkaufen konnten. W.&#13;
P. Walcup und die Brüder Dufield waren schon da, diese hatten ihr Land schon im Jahre 1835 aufgenommen, waren aber erst im Frühjahr 1837 darauf gezogen, also nur einundeinhalb Jahr vor den ersten Deutschen. Sie wohnten fünf Meilen von diesen entfernt. In der Nachbarschaft des Landes, das die beiden Deutschen aufnahmen, standen weit zerstreut Blockhütten von Ansiedlern, die im selben Jahre gekommen waren; die nächste etwa eine Meile entfernt. Diese Blockhütten und eine Wagenspur, die in vielen Windungen gegen Chicago führte, waren die einzigen Kulturspuren in der Gegend.&#13;
Nachdem sich die jungen Männer ihre „Claims“ gesichert hatten, marschierten sie wieder nach Chicago zurück; und nach ihrer Ankunft daselbst wurden sogleich Anstalten getroffen, von dem erworbenen Lande Besitz zu nehmen. Eckerts sollten den Haushalt gründen und ihre Neffen, die Brüder Herdklotz, ihnen dabei nach bester Kraft helfen. Die größte Auslage verursachte ein Joch Ochsen, das $60 kostete; dann kaufte man einen Wagen, Pflug, Heugabel und Rechen, für jeden Mann eine Axt, ein Fass Mehl für $14 und noch etliche Lebensmittel, soweit das Geld reichte. Von dem letzteren versteckte Mutter Eckert wohlweislich ein paar Dollars. Dann wurde aufgepackt und die Reise angetreten, dahin, wo ein neues Heim gegründet werden sollte. Der Ochsenwagen war schwer bepackt, deshalb gingen die jungen Leute zu Fuß.&#13;
 &#13;
Am ersten Tage kamen sie nur acht Meilen weit und verbrachten die Nacht in einer leeren Hütte; in der zweiten übernachteten sie im Walde nahe dem Fox Fluß [Fluss] und hatten von Mückenschwärmen viel zu leiden. Die größte Schwierigkeit aber bereitete ihnen der Uebergang [Übergang] über den Foxfluß. Es gab zwar eine Fähre südlich von der Stelle, wo jetzt Algonquin steht, aber das Fährboot war ein einfaches flaches Boot, das mit Ruderstangen geschoben wurde, und der schwer bepackte Wagen war für dasselbe eine gefährliche Ladung und die Ochsen wollten aus Furcht ins Wasser rennen. Dennoch gelangte man ohne Unfall mit Hab und Gut an das andere Ufer. Gegen Abend des dritten Tages, am 8. September 1838, gelangte man ans Ziel. „Halt“. rief Michael Herdklotz, „dort ist unser Wald!“ auf eine Rieseneiche zeigend, die sie markiert hatten. Dann sprang er an den Wagen und holte die Sense, um mit mächtigen Streichen eine Bahn durch das beinahe mannshohe Gras zu mähen nach der Eiche, welche etwa 200 Fuß von dem Fahrgeleise [Fahrgleis] entfernt stand; alle folgten nun nach, bald stand man auf eigenem Grund, unter dem Schutze der breitästigen Eiche, sonst obdachlos und fremd. Es waren heute nur sechs Drachenbronner Pioniere, nämlich: Vater Eckert und Frau nebst zwei Söhnen, Jacob und Heinrich, und ihre Neffen Michael und Peter Herdklotz, aber nach sieben Jahren zählte die Ansiedlung schon 54 Personen aus demselben Dorfe.&#13;
Unter der Eiche wurde nun Feuer gemacht und wieder Vorbereitung für die Nacht getroffen. Peter ging, eine Quelle zu suchen, und kam an die Hütte eines Ansiedlers, dessen Frau ihn frug [fragte], ob sie Frauen bei sich hätten, und als er bejahte, lud sie ihn ein, dieselben für die Nacht hinüber zu bringen. So war für die erste Nacht gesorgt. Am nächsten Morgen gingen die jungen Männer früh ans Werk; bald klangen die Aexte [Äxte] und unter den kräftigen Streichen fielen die hundertjährigen Eichen, denn es galt, ein Haus zu bauen. Dazu wurden die Stämme von den Kronen befreit und zusammen geschleppt, dann wurden im Viereck sieben Stämme übereinander gelegt; vorn wurde ein Loch gelassen als Thür [Tür], dann deckte man das Ganze mit den Kronen der Bäume und breitete langes Präriegras darüber, der Fußboden bestand aus dem frisch gemähten Rasen. Am Abend wurden die paar Kisten und Geräthschaften [Gerätschaften] hineingeschafft und man zog ein. So entstand das erste deutsche Heim in McHenry County, ein Hüttchen ohne Thür [Tür] und Fenster am Saume des Waldes, vor sich die jungfräuliche Prärie. Heute kreuzen sich nahe jener Stelle zwei breite Landstraßen und zu beiden Seiten derselben stehen schöne, reichausgestattete Farmhäuser und große wohlgefüllte Stallungen inmitten grüner Obstgärten und reicher Felder, und dreizehn jener schönen Gehöfte gehören jetzt noch den Nachkommen der ersten Pioniere oder derer, die auf ihren Ruf herüberkamen. Von den Erbauern des ersten Hauses lebt nur noch einer: Peter Herdklotz, dessen klarem Gedächtniß [Gedächtnis] wir viele der angeführten Thatsachen [Tatsachen] verdanken; er lebt in Woodstock bei seiner Tochter Frau Pfeiffer.&#13;
Für Bettstellen war in jenem Hüttchen kein Platz, auch hatte man keine, dafür aber die weichen Elsässer Federbetten. Die Erbauer schliefen in der ersten Nacht den Schlaf der Gerechten und Müden; Mutter Eckert jedoch saß die ganze Nacht auf einer Kiste wachend und betend, die Augen auf den offenen Eingang gerichtet, bereit, ihre Lieben zu warnen oder zu vertheidigen [verteidigen], wenn Gefahr drohte. Es war eine warme Herbstnacht; auf der weiten Ebene zirpten die Grillen und summten die Käfer viel tausendstimmig, während aus dem Walde das Rufen der&#13;
 &#13;
Eule und das Heulen des Wolfes schaurig hereintönte. In mancher späteren Nacht, wenn Frau Eckert diese Töne hörte, betete sie wie in der ersten: „Lieber Gott! Wenn uns die Wölfe zerreißen sollten, so lass sie am Kopf anfangen, damit wir nicht so lange leiden müssen.“ Sie hing [hängte] einen leinenen Vorhang vor den offenen Eingang, aber wenn er im Luftzuge flatterte, glaubte sie Wölfe oder Indianer zu sehen. In späteren Nächten hatte sie Licht, denn sie füllte eine Tasse mit Schmalz und zog einen Lappen durch, dieser wurde angesteckt und so war die Hütte erhellt; auch stellte sie immer die Axt neben ihr Lager. Gekocht konnte in der Hütte nicht werden, dazu wurde draußen ein Loch in den Boden gegraben und zwei Pfosten mit Gabeln in den Grund getrieben und darüber eine Stange gelegt und die Kessel daran gehängt. Als Brunnen wurde ein vier Fuß im Quadrat breites Loch gegraben, acht Fuß tief; darin sammelte sich sogleich Wasser an; da man keine Pumpe hatte, wurde aus zwei kleinen Baumstämmen eine Leiter fabriziert, daran stieg man hinunter und holte das Wasser mit Eimern herauf. Die Männer hatten viel schwere Arbeit zu thun [tun], denn sie begannen sogleich Bäume zu fällen, um ein richtiges festes Blockhaus zu bauen, das jedoch erst spät im November fertig wurde, als es schon in der Hütte nicht mehr gemüthlich [gemütlich] war; inzwischen arbeiteten die jungen Männer auch ab und zu für andere Ansiedler und halfen diesen die erste Ernte einheimsen. Baares [bares] Geld hatte Niemand; sie erhielten als Lohn Mais und Kartoffeln. Die letzteren gediehen in dem frisch gepflügten Rasen vorzüglich; beim Ausroden drehte man die Stücke Rasen um und da lagen die Knollen, rein und groß, jeder Stock einen Eimer voll. Der Mais stand zehn Fuß hoch und hatte große Kolben. Sie verdienten dreißig Buschel von jedem, und in aller Mühsal und allen Entbehrungen, die sie im ersten Winter durchmachen mußten [mussten], trösteten sich diese deutschen Pioniere mit der Hoffnung auf ihre eigene große Ernte im nächsten Jahre.&#13;
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              <text>Die Anfänge deutschen kirchlichen Lebens in Illinois&#13;
Nach verschiedenen Quellen bearbeitet vom Sekretär.&#13;
An der schnellen Besiedelung des Staates Illinois und des Nordwestens haben die deutschen Kirchengemeinschaften einen gewaltigen und nicht leicht zu überschätzenden Anteil gehabt. Auch die frühesten deutschen Ansiedler brachten auf die neue Scholle und in die neue Umgebung bei allʼ ihrem Unabhängigkeitsdrange doch das Bedürfnis nach geregelten Verhältnissen, und zwar nicht nur staatlichen, sondern auch kirchlichen mit. Ihrer großen Mehrzahl nach von frühester Jugend an von kirchlichen Satzungen und Gebräuchen umgeben und in hoher Verehrung derselben erzogen, regte sich schon unter den ersten Einwanderern bald nach ihrer festen Niederlassung das Bedürfnis, sich selbst zu schaffen, was ihnen hier der Staat nicht gab, und von den später Kommenden wandten die meisten sich mit Vorliebe Orten und Gegenden zu, wo sie nicht nur Angehörige ihrer engeren Heimat, sondern auch Angehörige ihres besonderen Bekenntnisses angesiedelt wussten, und hoffen durften, für ihr religiöses Bedürfnis Befriedung zu finden. Das religiöse Bekenntnis wurde so schon in der allerersten Zeit eine Standarte, um welche sich die deutsche Einwanderung schaarte [scharte], und wurde es im erhöhtem Maße und bis in die neueste Zeit hinein, nachdem die jungen Siedelungen genügend erstarkt waren, um Kirchen bauen und Seelsorger unterhalten zu können.&#13;
	Die Letzteren freilich waren in der ersten Zeit schwer zu beschaffen. Nur wenige zu Priestern oder Predigern beordnete Männer verirrten sich anfänglich in den Westen, und manche von ihnen waren schiffbrüchige Existenzen, welche dem Kleide, das sie trugen, keine Ehre und der Sache, der sie dienten, keinen Nutzen brachten. Aber es gab auch Andere – wirkliche Gottesmänner –, die von innerem heiligen Drange getrieben, die unsäglichen Mühen und Entbehrungen nicht scheuten, welche mit der Verkündigung des Wortes Gottes damals verknüpft waren. Denn sie hatten die über ein Gebiet von vielen Tausenden von Quadratmeilen zerstreut und Tage- und Wochenreisen voneinander entfernt wohnenden Glaubensgenossen in pfadloser Wildnis aufzusuchen, jeder Unbill des Wetters, wilden Tieren, Hunger und Durst zu trotzen, gar häufig unter freiem Himmel zu übernachten, und wenn sie glücklich eine bewohnte Hütte antrafen, mit einem Nachtlager auf der Diele und den mehr als dürftigen Lebensmitteln vorlieb zu&#13;
[25]&#13;
nehmen, welche die Ansiedler ihnen bieten konnten. Gedenkt man dankbar der Pioniere, welche den Wald rodeten, die erste Pflugschaar [Pflugschar] in den jungfräulichen Boden senkten und „in friedliche, feste Hütten wandelten das bewegliche Zelt“ [aus Friedrich Schillers „Das Eleusische Fest“ 1798], so darf auch der geistlichen Pioniere nicht vergessen werden, welche unter fast noch widrigeren Umständen mit einer Selbstverleugnung ohne Gleichen den göttlichen Samen streuten.&#13;
	Es ist nicht die Absicht, an dieser Stelle eine Geschichte dieser Pioniere zu schreiben. Ihre Namen werden im Lauf der Zeit bei der Geschichte der Gemeinden hervortreten, welche sie gründen oder fördern halfen. Hier soll zunächst von den ältesten deutschen Gemeinden die Rede sein, welche sich in Illinois gebildet haben.&#13;
Deutsche Illinoiser Kirchengemeinden in den dreißiger Jahren.&#13;
Erst im vierten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts kann von einer deutschen Einwanderung in den Staat Illinois die Rede sein. Was vorher kam, waren vereinzelte unternehmende Männer; eine Einwanderung von Familien vor dem Jahre 1831 lässt sich nur in einem einzigen Falle (die kleine aus dem Jahre 1818 stammende Schweizer-Kolonie Dutch Hill in St. Clair Co.) feststellen. Und auch diese blieb gering bis in die zweite Hälfte des Jahrzehnts. Wenn trotzdem am Ende desselben sich schon eine ganze Reihe deutscher Kirchengemeinden in Illinois vorfinden, so spricht das wohl für das Eingangs behauptete religiöse Bedürfnis unseres Volkes.&#13;
	Schon das Jahr 1837 schließt mit mindestens vier deutschen Gemeinden ab, und es mögen noch einige mehr gewesen sein, deren genaue Anfänge sich verloren haben. Die vier aber sind über jeden Zweifel hinaus beglaubigt. Es sind eine katholische in Belleville, eine protestantische und eine katholische in Quincy, und eine protestantische in Addison in Du Page County.&#13;
	Von diesen die älteste ist allem Anschein nach die katholische in Belleville. Es wäre das auch nur natürlich, da die erste Besiedelung des Staates in dessen Süden erfolgte, und dort durch die früheren Indianer-Missionen bereits mehrere katholische Mittelpunkte geschaffen waren, um welche die den Mississippi heraufkommende, zum großen Teil aus Franzosen bestehende katholische Einwanderung sich schaaren [scharen] konnte. Unter diesen Franzosen befanden sich wohl auch Deutsch-Franzosen, d. h. Elsässer und Lothringer, und es ist schwerlich ein bloßer Zufall, dass den Missionen in Belleville und Umgegend bereits im Jahre 1823 ein Priester mit dem deutschen Namen Lutz zugeteilt wurde. Gewiss geschah dies, damit er den in jener Gegend ansässigen deutschen Katholiken in ihrer Sprache die Beichte abnehmen und predigen könne. Aber wie dem auch sei, ein durchaus unantastbares Zeugnis für das Vorhandensein einer deutschen katholischen Gemeinde in Belleville im Jahre 1837, oder doch wenigsten dafür, dass es dort deutsche Katholiken gab, und dass sie ein Gotteshaus für sich hatten, liefern die Bücher der erzbischöflichen Kanzlei in St. Louis, zu welcher Diöcese [Diözese] damals jener Teil von Illinois gehörte. Denn darin steht für das Jahr 1837 vermerkt, dass der Vater Carolus Meyer zum Pastor „für St. Andreas und andere deutsche Missionen in St. Clair County“ ernannt sei, und Shea berichtet in seiner „Catholic History“, dass Bischof Rosati im Jahre 1835 das jetzige Belleville besucht und dort die kleine Blockkirche St. Andreas vorgefunden habe, die er als den ersten Schritt zum jetzigen Bistum bezeichnet.&#13;
	Wo diese St. Andreas-Kapelle gestanden hat, ist bis dahin noch nicht festgestellt worden; auch nicht, wie lange sie den Deutschen als Gotteshaus diente. Rev. H. J. Hagen, der General-Vikar der Diöcese [Diözese] Belleville, berichtet in der Jubiläums-Ausgabe der „Belleviller Zeitung“, dass vor Ankunft des ersten residierenden Pfarrers, Vater Joseph Künster, mehrere Jahre hindurch der&#13;
[26]&#13;
Sammelplatz der Katholiken von Belleville und Umgegend eine kleine Kapelle gewesen sei, welche von der in der Nähe von Shiloh wohnenden Familie Stauder auf ihrem Anwesen errichtet war, und von der ein wertvolles Andenken erhalten ist, – die kleine Glocke, welche die Gläubigen zur Andacht rief. Sie hängt nämlich jetzt über dem nördlichen Portale des St. Agnes-Waisenhauses in Belleville. Und in demselben Bericht heißt es, dass Vater Künster Gottesdienst im Hause des Hrn. Joseph Meyer abgehalten habe.*) In derselben Festschrift, S. 36, heißt es weiter, dass das von der Freien protestantischen Gemeinde zu Belleville im Jahre 1839 errichtete Kirchen- und Schulhaus bis zu der im Jahre 1843 erfolgten Errichtung der katholischen St. Peters-Kirche, der Vorläuferin der jetzigen St. Peters-Kathedrale, mehrfach von katholischen Missionsgeistlichen zu gottesdienstlichen Handlungen benutzt worden sei.&#13;
	Welche von den beiden deutschen Quincyer Gemeinden, ein höheres Alter beanspruchen kann, die protestantische oder katholische, ist aus den vorhandenen Quellen nicht ersichtlich. Der Unterschied ist auf alle Fälle nur ein geringer. Denn Dr. Brüner berichtet in seiner Geschichte der Katholiken Quincy’s, dass die Protestanten ungefähr zu gleicher Zeit wie die Katholiken ihre Kirche erhalten hätten, und beide haben im Jahre 1887 ihr goldenes Jubiläum gefeiert.&#13;
	Eine Geschichte der protestantischen Gemeinde, der Vorläufer der heutigen St. Johannes-Gemeinde, ist durch ihren jetzigen Seelsorger, Herrn Pastor L. Zahn, in baldige Aussicht gestellt. Vorläufig wissen wir nur, dass sie durch Pastor L. Gumbel gegründet wurde und in den ersten Jahren ihres Bestehens, wie manche andere protestantische und katholische Gemeinde, unter häufigem Wechsel der Seelsorger zu leiden hatte.&#13;
	Besser sind wir über die katholische Gemeinde unterrichtet. Ihr Anfang datiert vom August 1837. Das sich schon damals in Quincy zahlreiche Katholiken, und unter diesen zahlreiche deutsche, befunden haben müssen, lässt sich aus der doppelten Tatsache herleiten, dass Quincy schon so frühe, fünf Jahre vor Belleville, einen residierenden Priester erhielt, und dass dieser Priester ein Deutscher war, und noch dazu ein Deutscher, der so gut wie kein Wort Englisch verstand. Das war Herr August Brickwedde, ein Hannoveraner aus angesehener Familie und ein auf den Universitäten Bonn und Münster gründlich vorgebildeter Theologe, der in der Heimat wahrscheinlich zu hohen kirchlichen Würden gelangt sein würde, den aber sein Missionsdrang nach den Ver. Staaten getrieben hatte. Sofort nach seiner im Juni erfolgten Ankunft in St. Louis wurde er mit dem Pfarramt in Quincy betraut, dass bis dahin auch nur von Reisepredigern bedient gewesen war. Er richtete zuerst das obere Stockwerk eines gerade fertig gewordenen Hauses für den Gottesdienst ein, erbaute aber schon im nächsten Jahre aus eigenen Mitteln eine bescheidene Kirche, die Anfangs [anfangs] „Auferstehungskirche“ getauft, später den Namen „St. Bonifacius“ erhielt, und die Vorläuferin der heutigen reichen katholischen und deutschen Hauptkirche Quincy’s wurde. Auch er eröffnete, mit sechs Schülern, eine Schule, die notwendiger Weise eine deutsche war, wenn auch bis zu der viel später erfolgten Errichtung eines eigenen Gotteshauses für die Englisch sprechenden Katholiken diese von ihm bedient wurden. Ende der vierziger Jahre war die Gemeinde schon rein deutsch. Denn als in den Jahren 1846–1848 mit von Rev. Brickwedde hierzulande und in Europa persönlich zusammengebettelten Mitteln (auch König Ludwig von Bayern steuerte eine namhafte Summe bei) statt der bisherigen hölzernen&#13;
[27]&#13;
die ersten Backsteinkirche errichtet wurde, trugen von den 212 Gemeindemitgliedern, die mit Arbeit, Material oder Geld zum Bau beitrugen, 211 deutsche und 1 einen französischen Namen – keiner aber einen irischen oder englischen. Leider geriet Vater Brickwedde nicht lange nachher mit einem Teil seiner Gemeinde in Streit, welcher bei den finanziellen Angelegenheiten ein Wort mitzureden und Rechnungslegung über die auf den Bau verwendeten Mittel verlangte, was er sowohl im Hinblick auf das kirchliche Herkommen, wie im Gefühle, dass er der Gemeinde umsonst gedient und sein ganzes Vermögen geopfert, ja oft genug sich einen Mundvoll Essen habe erbetteln müssen, verweigerte. Und obwohl seine kirchlichen Vorgesetzten sein Verhalten vollauf billigten und seine Gegner als kirchliche Friedensstörer brandmarkten, so veranlasste ihn doch die zugefügte Kränkung, sein Amt niederzulegen. Er wurde nach St. Libory in St. Clair Co. versetzt, wo auch schon im Jahre 1839 die erste Blockkirche errichtet war, auf welchem Posten er nach 26jähriger erfolgreicher Amtstätigkeit, allgemein betrauert, am 21. November 1865 gestorben ist. Ob diese Gemeinde in St. Libory (im früheren Oka-Settlement) schon 1839 eine rein deutsche war, lässt sich mit Bestimmtheit nicht feststellen. Jedenfalls war sie es schon ein Jahrzehnt später. Denn als sie im Februar 1849 und im Juni 1850 vom Bischof van de Velde, das letzte Mal zur Einweihung der neuen Kirche, besucht wurde, zählte sie nach dessen Tagebuch 700 deutsche Mitglieder, und in ihrer Knaben- und Mädchenschule zusammen siebzig Kinder. Nebenbei bemerkt, bereitete dem feingebildeten Flamländer, der allen seinen verschiedensprachigen Gläubigen in ihrer Zunge predigte, nach seinen Aufzeichnungen großes Vergnügen, dass er bei jenen Gelegenheiten nach deutscher Sitte von Berittenen, das erste Mal von 60, das zweite Mal von 150, und mit Fahnen und Musik eingeholt wurde.*) &#13;
	Gleichfalls noch im Jahre 1837 – möglicher Weise vor Quincy, denn auch in diesem Falle fehlt das genaue Datum –, pflanzte im Norden des Staates der deutsche Protestantismus seine Fahne auf. Und zwar nicht, wie zu vermuten man geneigt sein würde, in der heutigen Metropole Chicago, sondern in dem 18 Meilen davon in Du Page County belegenen [gelegenen] Addison oder Dunklee’s Grove, einem kleinen, rein bäuerlichen Gemeinwesen. Dort hatten sich im Juni 1834 zwei hannoveraner Bauern, Namens Graue und Köhler, niedergelassen, und durch ihre Berichte wurden viele ihrer engeren Landsleute, nebst einigen Westphalen [Westfalen] veranlasst, sich dort ebenfalls anzukaufen. Obgleich sie als ziemlich rüde Leute geschildert werden, muss das religiöse Bedürfnis in ihnen sehr rege gewesen sein. Denn schon kurz nach ihrer Ankunft richteten sie Lesegottesdienste ein, die bald in diesem, bald in jenem Hause abgehalten wurden, und schon 1837 wurde ein Hr. Ludwig Cachand, der aber eigentlich L. C. Ervendberg hieß, als Prediger angestellt. Wie überall auf dem Lande in jener Zeit, war die erste Kirche ein Blockhaus und diente zugleich als Pfarrhaus. Zur Gemeinde gehörten alle Deutschen ohne Unterschied des Bekenntnisses. Pastor Cachand siedelte nach zwei Jahren nach Texas über und wurde im Jahre 1863 von räuberischen mexikanischen Indianern ermordet. Sein Nachfolger war von 1839 bis 1843 und von 1844–47 der spätere Gouverneur und (als Hans Buschbauer) jetzige weise Berater aller Landwirte, Francis A. Hoffmann, der zuerst als Lehrer kam, aber bald auch das Pfarramt übernahm. Unter seiner Leitung baute die Gemeinde im Jahre 1842 die erste Kirche, für welche ein nahezu 49 Acres umfassendes Grundstück für den Preis von $200 von&#13;
[28]&#13;
Louis Schmidt erworben war. In der Übertragungsurkunde sind Friedrich Fischer, Friedrich Rotermund und Johann Friedrich Franzen als „Trustees der reformiert-lutherischen Gemeinde von Addison“ aufgeführt. Diese Kirche stand auf dem Platze, der den Vorhof der heutigen bildet.&#13;
	Wie aus der Bezeichnung „reformiert-lutherisch“ hervorgeht, war die Gemeinde eine „unierte“, hatte aber mehr den Charakter einer freien. Denn einer der Artikel der leider verloren gegangenen Gemeinde-Verfassung lautete der Überlieferung zufolge: „Der Glaube und das Bekenntnis der Lehrenden und Hörenden soll in dieser Gemeinde nie in Betracht kommen“. Später, nachdem Pastor Hoffmann im Jahre 1847 die Gemeinde verlassen hatte und der gerade aus Deutschland gekommene, dem streng lutherischen Bekenntnis angehörige Kandidat E. A. Brauer, auch ein Hanoveraner, sein Nachfolger geworden war, trennten sich nach vielen unerquicklichen Streitigkeiten die strengen Lutheraner von den Reformierten, nachdem den Letzteren durch Vertrag vom 1. August 1849 $235 als ihr Anteil an dem Kircheneigentum ausbezahlt worden war. Doch kam es später noch wegen des Kircheneigentums zu einem langwierigen Prozess, der erst im Jahre 1856 zu Gunsten der evangelisch-lutherischen Gemeinde entschieden wurde. Eine unierte Kirche wurde dann von den Gegner der lutherischen schräg gegenüber errichtet. – Die lutherische Gemeinde aber wurde im Laufe des Jahrhunderts zu einer Hochburg der Evangelischen vom unabgeänderten Augsburgischen Bekenntnis, indem aus ihr nicht nur mehrere Tochter-Gemeinden – so die von Proviso (1858) und York Centre (1868) – hervorgingen, sondern auch indem sie 1864 dem Schullehrer-Seminar der „Synode von Missouri, Ohio und anderen Staaten“ (1873) eine Stätte eröffnete. Im Jahre 1873 nahm sie dann auch das Waisenhaus der Nord Illinois Waisengesellschaft in ihre Mitte auf. Über diese Gemeinde ist bereits eine von Pastor T. Johannes Grosse zu ihrem fünfzigjährigen Jubiläum verfasste, sehr eingehende und sorgfältig gearbeitete, 219 Seiten umfassende Geschichte vorhanden.*) &#13;
	Zwei Jahre später entstand die erste protestantische Gemeinde im Süden des Staates, in Belleville. Im Jahre 1839 kam ein auf deutschen Universitäten, vornehmlich Erlangen, gründlich gebildeter protestantischer Theologe, Wilhelm Flickinger, den seine politischen Ansichten aus Deutschland vertrieben hatten, nach vorherigem mehrjährigen Aufenthalt im Osten, nach Belleville und gründete dort eine Freie protestantische Gemeinde, an der er das Amt eines Predigers am 1. August 1839 antrat. Dass diese Gemeinde nur klein und noch sehr arm war, erhellt [sich] zum Ersten aus dem von ihm sofort angelegten Kirchenbuch, denn in den zwei Jahren seiner Amtstätigkeit hat er nur 13 Taufen und 7 Trauungen vollzogen und 5 Mitglieder zu Grabe geleitet. Sowie ferner daraus, dass, weil die Gemeinde ihn absolut nicht unterhalten konnte (noch 1855 war sie nicht im Stande, die ihrem Pastor ausgesetzten $200 Jahresgehalt aufzubringen) und Gelegenheit zu Nebenverdiensten wohl auch nicht geboten war, er sich gezwungen sah, das Amt niederzulegen und zur Landwirtschaft zu greifen. Doch war er später wieder im Amte, und zwar in Johannisburg in Washington County, Ill., wo er im Jahre 1866 nach neunjähriger seelsorgerischer Tätigkeit starb, ein hochgeachtetes Andenken hinterlassend. Er war ein intimer Freund Gustav Körner’s.&#13;
	Das früher erwähnte erste Gemeindehaus oder die Kirche dieser Gemeinde stand auf&#13;
[29]&#13;
einem jetzt abgetragenen Hügel, da wo sich heute die Franklin-Schule befindet. Sie wurde zugleich für die von Pastor Flickinger sofort eröffnete und von Kindern ohne Unterschied der nationalen Abstammung oder der Religion besuchte Schule benutzt, denn öffentliche Schulen gab es damals nicht. Mit der Errichtung der letzteren ging sie Ende der fünfziger Jahre in den Besitz des Schulrats über, um bald darnach abzubrennen. Leider sind die ersten Protokolle der Gemeinde verloren gegangen, ebenso das Original der ersten wirklichen Gemeindeverfassung, die am 28. Juni 1841 entworfen und von der General-Versammlung der Gemeinde am 1. September desselben Jahres angenommen wurde. Erster Präsident der Gemeinde war der Uhrmacher und Juwelier Adolph Hildebrand, und der erste Sekretär Hr. August Hassel, der in Deutschland die Rechte studiert hatte, in Belleville aber eine Grocery betrieb. – Die Gemeinde war die Vorläuferin der heutigen Freien Protestantischen St. Paulus-Gemeinde Belleville’s.&#13;
	Es stehen also in den dreißiger Jahren schon vier deutsche Kirchengemeinden verzeichnet, zu denen noch St. Liborius und mehrere andere katholische Missionen im südlichen Illinois kommen, aus denen sich später rein deutsche Gemeinden entwickelt haben. Mit dem raschen Anwachsen der Einwanderung in der zweiten Hälfte der dreißiger Jahre und in den folgenden Jahrzehnten nahm auch das Kirchenwesen einen hohen Aufschwung. In die vierziger Jahre fällt die Gründung nicht nur einer großen Anzahl weiterer deutscher protestantischen [protestantischer] und katholischen [katholischer] Gemeinden, sondern auch schon die Erhebung von Illinois zu einem besonderen Bistum mit dem Sitz in Chicago, sowie die zur Förderung der Kirchlichkeit so wichtigen deutschen protestantischen Synodal-Verbände. Doch darüber in einem folgenden Artikel.&#13;
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              <text>[…]&#13;
The Beginnings of German Ecclesiastical Life in Illinois&#13;
Written according to different sources by the secretary.&#13;
	German ecclesiastical communities have contributed an enormous and not easily overestimated part to the quick colonization of the state of Illinois and the North West. Even the earliest German settlers – with all their yearning for freedom – brought to their new land and new environment the need for well-ordered circumstances, and not only in terms of the state, but also of the church. As the vast majority of the first immigrants had been surrounded by ecclesiastical statutes and customs since their earliest youth and had been raised to venerate them, they felt the urge to create what the state could not give them here soon after their definite settlement. And the immigrants that arrived later on mostly preferred the places and areas, where they not only knew that members of their immediate home but also of their specific religious denomination had settled and where they could hope that their religious needs would find fulfilment. Thus, already in the very first times religious denomination became a banner around which German immigrants gathered, and even more so and until latest times, after the young settlements had gained enough strength to be able to build churches and support pastors.&#13;
	However, the latter ones were hard to get hold of during the early times. In the beginning, only few men who had a vocation to be priests or preachers found their way into the West, and some of them were shipwrecked existences, who did the frock they wore and the cause they served no good. However, there were also different ones – true men of God –, who driven by an inner holy desire did not shrink away from the indescribable troubles and sacrifices linked at these times to preaching the word of God. Since they had to go see fellow-believers who lived spread out in an area of many thousand square miles and had settled days’ and weeks’ journeys apart from each other in an almost impassable wilderness. They had to brave hard weather, wild animals, hunger and thirst, often spent the night under the open sky, and when they were lucky to encounter an inhabited cabin they had to make do with a place to sleep on the ground and the more than meager food which the settlers could offer them. When thankfully commemorating the pioneers who cleared the woods, lowered the first plowshare into the virgin soil and “changed the mobile tent into peaceful, strong cabins”, the spiritual pioneers should not be forgotten who under almost more adverse circumstances sowed God’s seeds with a self-denial without match.&#13;
	Here, it is not intended to write a history of these pioneers. Their names will emerge in the course of time in the histories of the parishes, which they helped to found or supported. Here, the focus will be on the oldest German parishes, which formed in Illinois.&#13;
German Parishes in Illinois during the Thirties&#13;
It is only since the fourth decade of the 19th century that we can speak of German immigration to the state of Illinois. All who arrived before, were individual enterprising men; immigration of families before the year 1831 can only be determined for one single case (the small Swiss colony Dutch Hill of St. Clair Co. dating back to 1818). And the immigration of families remained on a low level well into the second half of the decade. Since, nonetheless, a number of German parishes were to be found in Illinois at the end of the decade, it testifies to the religious needs of our people, as stated in the beginning.&#13;
	Already the year 1837 ends with at least four German parishes, and there may have been several more, whose exact beginnings are lost. These four though are testified for beyond any doubt. These are one Catholic one in Belleville, a Protestant one and a Catholic one in Quincy, and a Protestant one in Addison in Du Page County. Apparently, the oldest of these is the Catholic one in Belleville. It would also be only natural, since the first colonization of the state happened in its south, and since several catholic centers had already been created due to the earlier mission to the Indians, around which the catholic immigration coming up the Mississippi and consisting to a large part of French people could gather. Among these French people there possibly were also Franco-Germans, i.e. Alsatians and Lorrainers, and it is hardly pure chance that already in the year 1823 a priest with the German name Lutz was assigned to the missions in Belleville and surroundings. This surely happened, so that he could shrive/hear confession of the German Catholics living in that area and preach to them. However, be that as it may, the books of the archbishop’s registry in St. Louis, to which diocese this part of Illinois belonged at that times, are an inviolable testimony to the presence of a German Catholic parish in Belleville in the year 1837, or at least show that there were German Catholics at that place and that they had a house of prayer for themselves. Since in these books it is noted for the year 1837 that Father Carolus Meyer was appointed pastor “of St. Andreas and other German missions in St. Clair County”, and Shea reports in his “Catholic History” that bishop Rosati visited what today is Belleville in 1835 and came across the small blockhouse church St. Andreas there, which he called the first step towards today’s diocese.&#13;
	Where this chapel of St. Andreas had stood, could not yet be determined; and neither, how long it served as house of prayer for the Germans. Reverend H. J. Hagen, who is the vicar-general of the diocese of Belleville, reports in the jubilee edition of the “Belleviller Zeitung” that for many years before the arrival of the first resident priest, Father Joseph Künster, a small chapel had been the gathering place of the Catholics of Belleville and surroundings. This chapel had been erected by the Stauder’s/Stauder family, who lived nearby, on their ground and a valuable memento of the chapel has been preserved – the small bell which called the faithful to prayer. Actually, it now hangs above the northern front gate of the orphanage of St. Agnes in Belleville. And in the same report it is said that Father Künster held service in Mr. Joseph Meyer’s house.* On page 36 of the same festschrift, the report continues that the church and school building built by the Free protestant parish in Belleville in the year 1839 had also been used several times by Catholic missionaries for services prior to the erection of the Catholic church St. Peter’s, the predecessor of today’s St. Peter’s cathedral.&#13;
	The sources available do not allow us to conclude which of the two German parishes in Quincy can claim the higher age. In any case, the difference is only a small one. For Mr Brüner reports in his history of the Catholics of Quincy that the Protestants received their church at approximately the same time as the Catholics, and both parishes celebrated their fiftieth/golden anniversary in the year 1887.&#13;
	Mr Pastor L. Zahn has promised a history of the Protestant parish, the predecessor of today’s St. Johannes/St. John’s parish, for the near future. For the time being we only know that it was founded by pastor L. Gumbel and that it was suffering from frequent replacements of the pastor, like some other Protestant and Catholic parishes, too.&#13;
	We are better informed about the Catholic parish. Its beginning date back to August 1837. There are two facts from which can be deduced that there must have been numerous Catholics in Quincy, and among these numerous German ones already then. Firstly, the fact that Quincy received a resident priest at such an early stage, five years before Belleville, and, secondly, the fact that this priest was a German, and on top of that a German who understood close to no English. This was Mr August Brickwedde, who originated from Hanover and was an offspring of a respected family. He had been thoroughly educated in Theology at the universities of Bonn and Münster and would probably have become a high ecclesiastical dignitary at home but his urge to evangelize had driven him to the United States. Immediately after he had arrived in St. Louis in June he was entrusted with the rectory in Quincy, which until then had only been served by travelling preachers. At first, he established the upper floor of a house that had just been built as room for service, but already in the next year he built a modest church from his own funds, which initially was baptized “Church of the Resurrection” but then received the name of St. Bonifacius and became the predecessor of today’s wealthy, Catholic and German main church in Quincy. He also established a school, with six students, which necessarily was a German one, even though it also served the anglophone Catholics until the erection of their own church much later. At the end of the forties, the parish was already solely German. For when in 1846–1848 Reverend Brickwedde erected the first church built from bricks instead of wood with funds that had been begged for here and in Europe (even King Ludwig of Bavaria contributed a considerable amount), 211 of the 212 members of the parish, who made a contribution to the construction in the form of work, material or money, bore a German and one a French name but no one an Irish or English one. Unfortunately, not long afterwards, Father Brickwedde was in a dispute with one part of the parish which demanded to have a say in financial matters and to have a look at the billing and accounting of the funds used for the construction. This was refused by Father Brickwedde both in view of ecclesiastical traditions and his feeling that he had served the parish free of charge, had sacrificed his whole fortune, often even had had to scrounge a mouthful of food. And even though his ecclesiastical superiors fully approved of his behavior and branded his opponents as disrupters of ecclesiastical peace, the inflicted injury caused him nonetheless to resign his office. He was transferred to St. Libory in St. Clair Co., where the first timbered church had already been constructed in the year 1839. Mourned by everyone, he died on this post on 21 November 1865 having been successfully in office for 26 years. Whether this parish of St. Libory (in the former settlement of the Oka [Inoka?]) was already all German in 1839, cannot be determined/ascertained with certainty. However, already one decade later this was the case, since, when bishop van de Velde visited the parish in February 1849 and in June 1850, in the latter case for the dedication of the new church building, it numbered 700 German members according to his diary, and altogether 70 children attended the boys’ school and the girls’ school. On a side note, according to his notes it was to the great delight of the highly educated Fleming, who preached to all his faithful who spoke several different languages in their native tongues, that at these visits he was picked up according to German custom by riders carrying flags and playing music, 60 of them at the first visit, 150 at the second one.*) &#13;
It was also still in the year 1837 – possibly before Quincy, since the precise date is missing in this case, too – that German Protestantism raised its flag in the North of the state. And in fact not, as one might suspect, in today’s metropolis of Chicago but at an 18 miles distance from it in Addison, also named Dunklee’s Grove, in Du Page Country, a small, purely rural community. There, two farmers from Hannover by the names of Graue and Köhler had settled in June 1834 and because of their reports many of their closer fellow countrymen, along with some Westphalians, also purchased land at that place. Even though they are described as rather crude people, their religious needs must have been very astir since, soon after their arrival, they established services of the Word, which were by turns held in several different houses, and already in 1837 a Mr Ludwig Cachand, whose name actually was L. C. Ervendberg, was employed as preacher. As everywhere in rural areas of the time, the first church was a log cabin and also served as rectory. All Germans belonged to the parish regardless of denomination. After two years, pastor Cachand relocated to Texas and was murdered by predatory Mexican Native Americans in 1863. His successor from 1839 till 1843 and from 1844–47 was Francis A. Hoffman, the later governor and (as Hans Buschbauer) today’s wise adviser of all farmers, who arrived first as a teacher, but then took over the rectory, too. Under his direction the congregation built its first church in the year 1842, for which it had purchased a plot of almost 49 acres for the price of $200 from Louis Schmidt. In the deed of transfer Friedrich Fischer, Friedrich Rotermund and Johann Friedrich Franzen are listed as “Trustees of the Reformed Lutheran parish of Addison”. This church stood on the square, which is the front yard of today’s church.&#13;
	As can be inferred from the denomination “Reformed Lutheran”, the parish was a “Uniting” one but rather had the character of a Free one since one of the articles of the parish’s constitution, which unfortunately has been lost, stated – according to oral tradition: “The faith and the denomination of lecturers and listeners shall never be considered in this parish”. Later on, after pastor Hoffmann had left the parish in the year 1847 and candidate E.A. Brauer, who had just arrived from Germany and belonged to the strictly Lutheran denomination and also came from Hanover, had become his successor, the strictly Lutheran members separated from the Reformed members after many unedifying/disagreeable? disputes, after the latter had been paid out $235 as their share of the church property in fulfilment of the contract of 1 August 1849. However, later on there was a protracted lawsuit concerning the church property, which was only decided in favor of the Lutheran parish in the year 1856. A Uniting church was then built by the opponents of the Lutheran church diagonally opposite of it. – However, in the course of the century the Lutheran parish became a stronghold of the unchanged Augsburg Confession so that not only many subsidiary parishes emerged from it – like the ones of Proviso (1858) and York Centre (1868) – but that in 1864 it also opened a site for the teachers’ college of the “Synode of Missouri, Ohio and other states” (1873). In the year 1873, the parish also received the orphanage of the North Illinois Orphanage Society in its midst. About this parish there already exists a very detailed and thoroughly written history comprising 219 pages which was composed by pastor T. Johannes Grosse on the occasion of its 50th anniversary.*) &#13;
	Two years later, the first Protestant parish came into being in the south of the state, in Belleville. In the year 1839 the Protestant theologian Wilhelm Flickinger who had been thoroughly educated at German universities, mainly Erlangen, and who had been driven from Germany due to his political views, arrived in Belleville after having been in the East for several years. In Belleville he founded a Free Protestant parish, where he assumed the office of preacher on 1 August 1839. That his parish was still small and very poor can firstly be deduced from the parish register, which he started right away; since during his two years of office, he only baptized 13, wedded 7 couples and buried 5 members. Secondly, also from the fact that the parish could in no way support him (even by 1855 it was not able to raise the $200 annual salary for its pastor) and since there were apparently no opportunities for additional income, he was forced to step down from office and become a farmer. However, he was back in office later on, namely in Johannisburg in Washington County, Ill., where he passed away after nine years of pastoral caring in 1866 being remembered with high renown. He was an intimate friend of Gustav Körner’s.&#13;
	The formerly mentioned first parish hall or the church of this parish stood on a hill, which has today been cleared away and where nowadays the Franklin School is situated. It was at the same time used for the school which pastor Flickinger had opened immediately and which was attended by children regardless of national descent or religion, since there were no state schools in these times. With the construction of a public school it was handed over to the school council at the end of the fifties, just to burn down shortly afterwards. Unfortunately, the first protocols of the parish were lost as well as the original copy of first true constitution of the parish, which had been outlined on 28 June 1841 and had been adopted by the general assembly of the parish on the first of September of the same year. The first president of the parish was the clockmaker and jeweler Adolph Hildebrand and the first secretary was Mr August Hassel, who had studied law in Germany and run a grocery store in Belleville. – The parish was the predecessor of today’s Free Protestant St. Paul’s parish of Belleville.&#13;
	Hence, there were already four German church parishes in the thirties, to which St. Liborius and several other Catholic missions in southern Illinois have to be added, which developed into all German parishes later on. All churches boomed when migration increased rapidly in the second half of the thirties and in the following decades. In the forties not only a large number of more German Protestant and Catholic parishes were founded but Illinois was elevated to a special diocese with its seat in Chicago and the German Protestant Synodal Federation was founded, which was of such high importance for the promotion of churchliness. However, more on this topic in an article to come.&#13;
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              <text>Im Jahre 1837 landeten nach einer Seereise von 82 Tagen von Havre aus, drei deutsche Bauern aus der Umgegend von Aschaffenburg – Georg Sauer, Lorenz Sommer und Jacob Weber – mit ihren Familien im Hafen von Baltimore. Die lange Dauer der Seereise, obwohl zu jener Zeit nichts Ungewöhnliches, deutete an, dass die Fahrt keine besonders glückliche war, wenn auch die Erinnerung daran unserem Gewährsmann, damals einem fünfjährigem Knaben, entschwunden ist. In Baltimore musste die Familie Weber dem neuen Lande und seinem heißen Klima gleich ein Opfer bringen – das jüngste Kind starb kurz nach der Ankunft an der Ruhr. Nach einer langen und beschwerlichen Reise über die Kanäle - außer Wagen damals das einzige Verkehrsmittel zwischen dem Osten und dem noch in seinen Kinderschuhen stehenden Westen - wurde Cincinnati erreicht. Dort wurden Frauen und Kinder belassen und Sauer, Sommer und Weber – letzterer begleitet von seinem ältesten Sohne – machten sich auf den Weg nach Illinois, um einen guten Platz zur Niederlassung zu suchen. In der anmut(h)igen, an die schöne Heimat(h) erinnernden Gegend am T(h)ale des Illinois-Flusses , im heutigen Worth Township in Tazewell County, auf den mit herrlichem Baumwuchs bestandenem Bluffs, glaubten sie ihn gefunden zu haben, und sie nahmen in der Umgegend von dem damaligen Black Partridge – so genannt nach einem berühmten Indianerhäuptling – jetzt Lourds – Land auf.&#13;
&#13;
Das war schon im Spätherbst. Der Winter wurde fleißig genutzt, um etwas Land zu roden und Blockhütten zu bauen, und als der Sommer wieder ins Land zog, sandten Sommer und Sauer ihren Familien Botschaft, nachzukommen. Weber aber, der seine zahlreiche junge Familie die lange und gefahrvolle Reise nicht allein machen lassen wollte, begab sich nach Einbringung der ersten kärglichen Ernte selbst nach Cincinnati, seinen ältesten Sohn zurücklassend, um die not(h)dürftigste Arbeit zu t(h)un. Er sollte nicht mehr zurückkehren! Wohl fand er die Seinen wohl und munter, und fröhlichen Mut(h)es und hoffenden Herzens, hatte man den Fluß [Fluss]-Dampfer bestiegen, der sie der zukünftigen Heimat(h) näher bringen sollte. Eben hatte derselbe die Werft verlassen, da, gerade gegenüber der Stelle, wo heute die Cincinnatier Wasserwerke stehen, flog er in die Luft. Weber, zwei seiner Töchter und ein Sohn kamen mit vielen anderen um, - die Mutter, der damals sechsjährige Knabe Johann, aus dessen Munde wir diese Erzählung haben, eine Tochter und noch ein älterer Sohn wurden gerettet, - Letzterer freilich durch ein Stück Eisen schwer am Kopfe verletzt. (Er ist später im Rebellionskrieg den Heldentod für`s neue Vaterland gestorben). Sobald er not(h)dürftig  hergestellt war, machte sich die Mutter, die sich für den letzten Rest ihrer Habseligkeiten - denn das Meiste war mit dem Dampfer untergegangen – ein Ochsengespann und einen Wagen gekauft hatte, mit den ihr gebliebenen Kindern auf den langen unbekannten Weg zur neuen Heimat(h) und zum ältesten Sohne, wo sie im Oktober 1838 nach unsäglichen Strapazen und Entbehrungen anlangten. - Mut(h)ig und eifrig ging die brave Frau mit ihren Kindern an die Arbeit und diese Arbeit brachte Frucht. Denn als nach drei oder vier Jahren der Bau einer Kirche angeregt wurde, - es war mittlerweile eine Anzahl weiterer Familien aus der Gegend von Aschaffenburg und Hanau nachgekommen,- gehörte Mutter Eva Weber zu den sechs ersten Familienhäuptern, welche einen Beitrag dazu zeichneten. Freilich handelte es sich nur um eine Blockkirche und die Beiträge bestanden meistens aus Baumstämmen oder in der Arbeit des Behauens und Herbeischleppens. Denn ba(a)res Geld gab es zur damaligen Zeit so gut wie gar nicht, und die Geschäfte wurden meist auf dem Wege des Tauschhandels betrieben. Und die Arbeit war keine leichte, denn die schweren Stämme mussten oft meilenweit nach dem Bauplatze geschleift werden und erst Wege dafür durch das dichte Unterholz geschlagen werden.—&#13;
&#13;
Noch gewaltigere Opfer musste, ehe sie die das gelobte Land erreichte, eine Familie bringen, deren Nachkommen zum T(h)eil, wenigstens heute, in Illinois wohnen. Wir entnehmen die Erzählung, welche wieder einmal beweist, daß [dass] sich zuweilen Dinge ereignen, welche zu erdichten die lebhafteste Phantasie sich sträuben würde, den uns freundlichst im Manuskript zur Verfügung gestellten, für seine Kinder gemachten Aufzeichnungen eines unserer ältesten und geachtetsten evangelischen Prediger, des Herrn Pastor Höhn in Oak Park, der vor kurzem sein goldenes Amtsjubiläum gefeiert hat. Lassen wir ihn selbst reden: &#13;
Ihr Kinder werdet gewiss froh sein, wenn ich Euch hier etwas näher erzähle, wo Eure Mutter herkommt, etwas erzähle von ihren Eltern u.s.w. Im Jahre 1817 (einem Jahr großer Hungersnot(h) in Deutschland) verließen ihre Eltern, Gottlieb und Marie Bäßler, ihre alte Heimat(h) im alten Vaterlande, das Dorf Steinach, Oberamt Waiblingen, Königreich Württemberg, um nach Amerika auszuwandern. Sie waren rechtsschaffene und wohlhabende Leute, hatten aber großes Mißgeschick [Missgeschick] und Unglück auf der Reise, so daß [dass] sie, bis sie endlich nach Amerika kamen, nicht nur ihr ganzes Vermögen, sondern auch alle ihre damals lebenden Kinder verloren hatten. Sie wurden nämlich auf dem großen Weltmeere einmal irregeführt und zweimal litten sie Schiffbruch. Das erste Schiff, auf dem sie waren, wurde vom Kapitän desselben irregeführt mit der Absicht, die Leute zu Grunde [zugrunde] zu richten und ihr Hab und Gut zu erbeuten. Solches kam zur damaligen Zeit öfters vor. Nach langem Hin- und Herfahren kamen sie endlich nach Bergen, einer Seestadt in Norwegen. Als sie in den Hafen einliefen, zog der Kapitän eine schwarze Flagge auf, daß [dass] die Leute in der Stadt glauben sollten, die Pest sei auf dem Schiff, daß [dass] sie sich fürchten sollten, auf dasselbe hinauszugehen. Beamte der Stadt gingen aber doch hinaus und untersuchten das Schiff, nahmen den Kapitän gefangen und für die unglücklichen Passagiere wurde gesorgt. - Nach langer Zeit mit einem anderen Schiff ausgerüstet, verunglückten sie wieder und wurden nach Flensburg, einer Seestadt in Schleswig verschlagen. Hier verweilten sie eine lange Zeit, endlich aber wagten sie es doch wieder, und schifften sich noch einmal ein, um der neuen Welt entgegenzufahren; aber merkwürdiger Weise verunglückten sie auch diesmal wieder, litten Schiffbruch und kamen nach Westindien. Dazu war auch noch eine pestartige, hitzige Krankheit ausgebrochen, wodurch viele hingerafft wurden und ihr Grab in der Tiefe des Meeres fanden. Da verloren auch Eure Großeltern alle ihre Kinder, die sie von Deutschland mit fortgenommen hatten. Von Westindien gelang es ihnen endlich, nachdem sie 3 1/2 Jahre lang so umhergetrieben worden waren, nach Baltimore zu kommen. Euer Großvater hatte vor seiner Abreise von Deutschland viele Goldstücke in seine Weste hineingenäht, aber jetzt alle herausgenommen, bis auf eins, das war alles[,] was sie noch hatten. &#13;
&#13;
Sie gingen aber sogleich an die Arbeit, bis sie so viel verdient hatten, dass sie weiterziehen konnten; dann zogen sie mit einem alten Wagen und einem alten Pferde hinaus bis nach dem südlichen Ohio, welches damals noch eine Wildniß [Wildnis] war, und wo sie sich in Morgan County niederließen und sich ein Stück Regierungsland kauften. Hier in der Wildniß [Wildnis], dazu noch in einer rauhen und hügeligen Landschaft, lebten sie anfangs in einer Blockhütte ohne Fenster, ohne T(h)ür und ohne Fußboden. Sie hatten freilich einen Fußboden, aber das war die bloße, jungfräuliche Erde. - Hier lebten sie ein ganzes Jahr von bloßem Kornbrod [Kornbrot] und Kornkaffee, ohne einen Bissen Fleisch und ohne das geringste Fett. Alles, was Eure Großmutter besaß, war eine Speckschwarte, damit rieb sie den eisernen Hafen [Ofen] ein wenig aus, in welchem sie das mit Wasser angemachte Kornbrod(t) backte.- Euer Großvater lag da den ganzen Winter hindurch krank darnieder, ohne Arzt und ohne Medizin. Eure Großmutter ging da 3 bis 4 Meilen weit, mit dem alten Pferde und einem Sack Korn darauf im tiefen Schnee durch einen Wald nach einer Mühle. Zuweilen, wenn sie nicht gehen konnte, hat sie auch das Korn zu Hause gemahlen, auf der Kaffeemühle, oder sie hat es auch gerieben auf einem alten Stück Blech, durch welches sie Löcher geschlagen hatte.&#13;
&#13;
Durch anhaltende und harte Arbeit und Gottes Segen kammen [kamen] sie hier endlich zu einer schönen Heimat(h), mit einem schönen deutschen Obstgarten voll köstlicher Früchte. Hier wurde auch Eure Mutter geboren. Als sie 3 Jahre alt war, zogen ihre Eltern weiter westwärts, nach Hacking Co., Ohio, wo sie noch einmal in der Wilderniß [Wildnis], aber auf einem größeren Stück Land sich niederließen und sich auf´s Neue eine schöne Heimat(h) gründeten. - Hier war's, wo ich Eure Mutter fand. Ihr Vater lebte aber zu der Zeit nicht mehr, er war im guten Alter in Frieden gestorben und lag neben der Kirche auf seinem Lande begraben, ein weißer Marmor zeigte die Stätte seiner Ruhe. Ihre Mutter war alt, sie hat mir aber Alles so erzählt, wie ich es hier niedergeschrieben habe.- Sie zog mit ihren übrigen Kindern noch einmal von dannen und liegt begraben auf dem Friedhof zu Greenville, Ohio. Eure Mutter war ihr jüngstes Kind.--&#13;
&#13;
Wir hatten hier die erschütternden Schicksale zweier Familien auf dem Wege zur neuen Heimat(h). Hunderte und Tausende hatten von ähnlichen Schicksalen zu erzählen. Nur zwei Zeugen seien angerufen. Dr. Oswald Seidensticker in Philadelphia berichtet: Auf dem 1817 von Amsterdam nach Philadelphia bestimmten holländischen Schiffe ,,Hope“, Kapitän Klar, erkrankten alle Personen bis auf den Kapitän, den Steuermann und einen einzigen Passagier am Typhus; auf dem im Dezember dess. [desselben] Js. [Jahres] abgegangenen Schiff ,,April“, Kapitän DeGroot, starben von 1200 Passagieren nahezu 500 an der Schiffspest. Und Hanno Deiler schreibt in seiner Geschichte der Deutschen am unteren Mississippi, von den sogenannten ,,Redemptionisten“, d.h. Leuten, welche sich verpflichteten, das Ueberfahrtsgeld [Überfahrtsgeld] hier abzuarbeiten und auf solchen Contract [Vertrag] hin hier auch eine Reihe von Jahren geradezu als Sklaven verkauft wurden: &#13;
,,Daß [Dass] diese Nachfrage – eben nach Redemptionisten, die sich viel nützlicher erwiesen,, als die Neger – Befriedigung fand, dafür sorgte schon die Habgier der europäischen Rheder [Reeder], vorzüglich der Holländer, die ganze Sch(a)aren von Agenten, ,,Neuländer“ genannt, den Rhein hinaufsandten, um Frachten für Amerika zu werben. Dem Armen Reicht(h)ümer und dem Gedrückten Freiheit verheißend, dem Mittellosen mit einem Zehrpfennig forthelfend und dem Besitzenden beim Verkauf seiner Habe an die Hand gehend, so zogen die Menschenhändler von Ort zu Ort und lockten zahllose Opfer den Rhein hinab, um sie dann in ihre Schiffe zu pferchen, in deren stinkender Luft die Armen sich mit dem Gewürm um das Trinkwasser stritten, an pestähnlichen Fiebern erkrankten und oft buchstäblich verhungerten. Das machte natürlich den Schiffsherren keine Beschwer, denn so lange noch überlebende Passagiere an Bord waren, hafteten diese für die Schulden der To(d)ten. Kinder dienten das Passagiergeld der verhungerten Eltern ab und wenn sich keine Verwandte[n] fanden, dann wurde der Verlust unparteiisch auf die übrigen Passagiere vert(h)eilt, und das Dinggeld für alle entsprechend erhöht - Deiler berichtet auch, dass im Jahre 1817 drei Schiffe in New Orleans anlangten, von deren 1100 Passagieren 596 unterwegs gestorben und zwar die meisten buchstäblich verhungert und verdurstet waren, obwohl Proviant und Wasser genug an Bord war. Aber man hatte beides gut verwahrt und lieferte nichts davon aus, außer gegen hohe Bezahlung. Man wollte die unglücklichen Passagiere zwingen, trotzdem [obwohl] sie für ihre Fahrt bezahlt hatten, ihre letzte Habe dafür herzugeben.- Die Geschichte der Schwiegereltern des Pastors Höhn hat hiernach nichts Unwahrscheinliches mehr.</text>
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              <text>In the year 1837, three German farmers from the area of Aschaffenburg – Georg Sauer, Lorenz Sommer and Jacob Weber – came to the port of Baltimore from Le Havre with their families after being at sea for 82 days. The long duration of the voyage, although nothing unusual for that time, suggested that the journey was not a pleasant one, even though our informant, back then a five-year-old boy, cannot remember it anymore. In Baltimore, family Weber had to make a sacrifice to the new country and its hot climate straight away – the youngest child died from dysentery shortly after arrival. After a long and weary journey via the canals – except for wagons the only way of transportation between the East and the still infantile West - they reached Cincinnati. There, they left the women and children behind and Sauer, Sommer and Weber – the latter accompanied by his eldest son – made their way to Illinois in order to find a good place to settle. They thought they found it in the gracious and beautiful region of the valley at Lake Illinois, which reminded them of their homeland, in today`s Worth Township in Tazewell County, on the nicely forested bluffs, and they settled near Black Partridge – named after a famous Indian chief – now named Lourds.&#13;
&#13;
	This was in late autumn. Winter was eagerly used to clear some land and to build log cabins, and when summer returned, Sommer and Sauer sent for their families. Weber though, who did not want his large and young family to embark on this dangerous journey on their own, went to Cincinnati, after the first meager harvest was gathered, leaving his oldest son behind in to do the most urgent work. He was never to return again! Indeed, he found his loved ones well and cheerful, and in good spirits and with a hoping heart they had boarded the steamship, which was bound to take them to their new homeland. Just as it left the shipyard, straight across from where the Cincinnati water supply works are located today, it exploded. Weber, two of his daughters and his son died together with many other people,- the mother, the then six year old Johann, who is telling this story, one daughter and one older son were rescued – however, the latter had been injured badly on his head by a piece of steel. (He later died a heroic death for his new fatherland during the War of the Rebellion). After he had recovered halfway, his mother, who had bought for the rest of her money – most of them having sunk with the steamship - an ox-drawn cart and a wagon, started out for their new homeland and to join her oldest son with all her remaining children; she finally arrived in October of 1838, after unspeakable exertions and deprivations. Courageously and zealously, the good woman went to work with her children and the work paid off. For when after three or four years the construction of a church was encouraged – by now, other families from the outskirts of Aschaffenburg and Hanau had joined them – Mother Eva Weber was one of the first six heads of family who contributed towards it. Of course, it was a plain church made out of logs and most of the contributions were logs or the carving and hauling them. For cash was scarce during this time and most of the dealings were conducted through barter. The work was not an easy one because the heavy logs often had to be carried for miles in order to reach the building site after clearing the way through the thick undergrowth.&#13;
&#13;
One family had to make an even bigger sacrifice before even reaching the new promised land, today some of their descendants live in Illinois. We have this story, which again proves that sometimes things are happening that not even the most vivacious imagination would dare to think of, from one of our our oldest and most respected Protestant preachers Pastor Höhn of Oak Park, who not long ago celebrated his golden jubilee and who kindly handed us these manuscripts, which he wrote for his children. Let him speak for himself:&#13;
You children must surely be happy when I tell you where your mother comes from, talk about her parents and so on. In 1817 (a year of great famine in Germany), her parents, Gottlieb and Marie Bäßler, left their old homeland, the town Steinach, district of Waiblingen, Kingdom of Württemberg, for America. They were righteous and wealthy people, but had many mishaps on their journey, where they not only lost all of their fortune but also all of their then living children. They were deceived once on the ocean and suffered shipwreck twice. The first ship, which they boarded, was consciously misled by its captain wíth the intention to ruin the passengers and get their belongings. This is something that happened often at that time. After traveling back and forth, they finally arrived at Bergen, a seaside town in Norway. While approaching the harbor, the captain raised a black flag to make the local people think the ship was carrying the plague and to make them fear boarding the ship. Town officials still went up there and inspected the ship, captured the captain and took care of the unhappy passengers. - After a long period of time, they were equipped with another ship, crashed again and were brought to Flensburg, a seaside town in Schleswig. They stayed here for a long time, but finally dared to board a ship again to approach the new world; but, strangely enough, they had another accident, suffered shipwreck and arrived in West India. In addition to that, a plague-like, feverish disease broke out on the ship, which took the lives of many people, who finally found their graves in the depths of the ocean. This is where your grandparents lost all of their children they had taken with them from Germany. They finally managed to reach Baltimore after leaving West India and traveling back and forth for 3 1/2 years. Your grandfather had sowed many pieces of gold into his vest before leaving Germany but had taken them all out by now except for one, which was all they had left.&#13;
 But they immediately went to work until they had earned enough to be able to move on; then they went with an old wagon and an old horse  in the direction of southern Ohio, which then was still wilderness  and where they settled in Morgan County and bought a piece of government land. In the wilderness, where the landscape in addition was rough and hilly, they lived in a log cabin without windows, doors and a floor. There was some kind of floor, but it was just the plain virgin soil.- They lived here for a whole year on plain corn bread and corn coffee, without one bite of meat and without the smallest amount of fat. Everything your grandmother owned was a piece of bacon rind, which she used to grease the iron oven, in which she baked the cornbread with water. - Your grandfather was bedridden throughout the whole winter, without a doctor and without any medicine. Your grandmother walked three to four miles through the deep snow to a mill through the forest with an old horse and a bag filled with corn. Occasionally, when she could not walk anymore, she ground the corn on a coffee grinder or she sometimes also ground it on an old piece of sheet steel, into which she had poked holes beforehand.&#13;
&#13;
Through steady, hard work and God's blessings, they finally got a beautiful homeland, with a nice orchard filled with delicious fruits. This is where your mother was born. When she was three years old, her parents moved to Hacking Co. in the west of Ohio where they again settled in the wilderness to establish a new beautiful homeland, but this time on a bigger piece of land. This was the place where I found your mother. Her father had passed away by then, he had died at a good age and in peace and was buried next to the church on his land white marble indicating his resting place. Her mother was old, but she told me everything exactly as I wrote it down. - She moved away with all of her children one last time und is buried in the cemetery in Greenville, Ohio. Your mother was her youngest child. –&#13;
&#13;
Here, we had two shocking fates of two families on their way to their new homeland. Hundreds and thousands had told of similar destinies. Only two witnesses will be named. Dr. Oswald Seidensticker of Philadelphia recalls: On the Dutch ship ,,Hope“ on its way from Amsterdam to Philadelphia in 1817, under Captain Klar, everyone drowned, except for the captain, the helmsman and one single passenger from typhoid fever; on the ship ,,April“, which had left in December, under Captain DeGroot, 500 out of 1200 passengers succumbed to the plague. &#13;
&#13;
And Hanno Deiler wrote in his story of the Germans on the lower Mississippi, about the ,,Redemptionists“, i.e. people who committed themselves to work off the passage fee and who were by contract sold as slaves for many years. ”,That this demand – for redemptionists, who were much more useful than Negroes – was satisfied is due to the greed of the European shipowners, particularly the Dutch, who sent multitudes of agents, so-called ,,Neuländer“ or people of the new country up the Rhine River to solicit freight for America. Promising riches to the poor, and freedom to the oppressed and helping the destitute with provision money while helping the people with property to sell all of their possessions, the slave traders went from town to town and lured countless victims down the Rhine before jamming them into their ships, in the stinking air of which the poor people were fighting with worms over drinking water, succumbed to plague-like fevers and often literally died of starvation. This, of course, did not bother the ship owners because as long as there were living passengers on the ship, they were liable for the debts of the dead ones. Children had to work off their starved parents' passage and in case they could not find any relatives, the debt was distributed among the other passengers and the ,,Dinggeld“ (earnest money) was raised for everyone. - Deiler also reports that three ships arrived in New Orleans in 1817, on which 596 of the 1110 passengers had died mostly of hunger and thirst, even though there was plenty of food and water on board. But both had been kept hidden and only distributed for a huge amount of money. They wanted to force the unhappy passengers to give them all of their belongings, even though they had paid for the passage.- The story of Pastor Höhn’s in-laws is therefore not improbable.&#13;
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                <text>from the journal "Deutsch-Amerikanische Geschichtsblätter," vol. 1 (1901), pp. 33-35</text>
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